Alevitische Gemeinde Deutschland: „Es müssen weitere Massaker an Aleviten verhindert werden!“

Nach einem Übergriff auf eine alevitische Familie in Malatya, fordert die Alevitische Gemeinde Deutschland, dass diese und viele ähnliche Vorfälle endlich ein Ende nehmen müssen. In Berlin will sie vor der Türkischen Botschaft gegen den Vorfall protestieren. Die türkische Regierung versäume es weiterhin einzugreifen, so der Vorsitzende Hüseyin Mat.

„Allem Anschein nach hat es System und diese Feststellung ist nicht nur bitter, sondern auch zutiefst beunruhigend. Anders ist es unerklärlich, warum Jahr für Jahr im Fastenmonat Ramadan Mitglieder der alevitischen Gemeinschaft schikaniert, isoliert und tätlich angegriffen oder sogar gelyncht werden, ohne dass weder die türkische Regierung noch die türkische Administration eingreifen“, erklärt Hüseyin Mat, Bundesvorsitzender der Alevitischen Gemeinde Deutschland (AABF).

Während in Hürth schon am Donnerstag vor dem türkischen Generalkonsulat zu einem Protest geladen wird, ruft die Gemeinde am Samstag zu einer Kundgebung vor der Türkischen Botschaft in Berlin auf, um auf die Lage der Aleviten in der Türkei aufmerksam zu machen. Seit vergangenem Samstag ist das Thema aktueller denn je.

Am vergangenen Wochenende kam es zu einer Belagerung einer alevitischen Familie im Bezirk Sürgü in Malatya im Osten der Türkei. Dabei sei die Familie Evli, um die es sich handelt, massiv bedroht worden, weil sie im Ramadan nicht faste. Es habe sich unterschiedlichen Medienberichten zufolge um 100 bis 500 Menschen gehandelt, die mit Steinen die Scheiben eingeschlagen haben sollen. Parolen wie „Tod den Aleviten“ seien zu hören gewesen.

Zuvor habe es zudem Auseinandersetzungen mit dem Trommler gegeben, der traditionell vor dem Morgengrauen die Bewohner des jeweiligen Ortes weckt, um eine Mahlzeit vor dem Beginn des Fastens einnehmen zu können. Trotz der breiten Berichterstattung in den türkischen Medien, hält dieser in einem Interview mit der Zeitung Radikal daran fest, dass die Familie das Dorf verlassen müsse. Der Leiter der türkischen Religionsbehörde Mehmet Görmerz erklärte, das sei nicht hinnehmbar. „Niemand darf aufgrund seines Glaubens Gewalt ausgesetzt werden“, so Görmez.

Auch die Alevitische Gemeinde in Deutschland ist entsetzt über den Vorfall, der nicht der erste dieser Art ist. Schon 2007, so fasst auch die AABF in ihrer Erklärung zusammen, kam es zur Ermordung von drei Christen in Malatya (bei einem Massaker in Sivas 1993 kamen 37 Menschen ums Leben – mehr hier). Hüseyin Mat fordert deshalb: „Wir dürfen weder heute noch in der Zukunft zulassen, dass all diese Verbrechen an der alevitischen Gemeinschaft in Vergessenheit geraten, verschwiegen oder verdrängt werden. Wir müssen gemeinsam vor Augen führen, was Menschen an Grausamkeit, Gräueltaten und Mord aneinander angetan haben und bis zum heutigen Tag noch antun können. Daher fordert die Alevitische Gemeinschaft Deutschland die internationale Gemeinschaft und Presse dringend auf, Öffentlichkeit für dieses Gewaltverbrechen in Malatya zu schaffen, damit weitere Massaker verhindert werden können.“

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