Frankreich: Bürgermeister suspendiert fastende Feriencamp-Betreuer

Da der Verzicht auf Essen und Trinken während des Tages im muslimischen Fastenmonat Ramadan dem Arbeitsvertrag widerspreche, wurden vier Mitarbeiter eines Feriencamps der Stadt Gennevilliers suspendiert. Nach breiten Protesten musste der Bürgermeister das umstrittene Fastenverbot nun zurückziehen.

Gemeinsames Mittagessen im Ferienlager. Nach Ansicht des Bürgermeisters auch für die Betreuer obligatorisch. (Foto:  y_katsuuu/flickr)

Gemeinsames Mittagessen im Ferienlager. Nach Ansicht des Bürgermeisters auch für die Betreuer obligatorisch. (Foto: y_katsuuu/flickr)

Am ersten Tag des Fastenmonats Mitte Juli bemerkte die Campleitung während einer Kontrolle der Mitarbeiter, dass vier der Betreuer nicht essen. Daraufhin wurden die Fastenden suspendiert, wie BBC berichtete. Jacques Bourgoin, Bürgermeister von Gennevilliers, erklärte dazu: „Sie haben die Bedingungen ihres Vertrags nicht eingehalten, sodass sie die Kinder, für die sie verantwortlich sind, in Gefahr bringen könnten.“

Fasten: Bürgermeister will im September erneut diskutieren

Mit dieser Erklärung zog die Stadt Proteste des Verbands der französischen Muslime sowie weiterer Bürgerrechtsorganisationen auf sich. Die im Vertrag enthaltene Klausel, die ein Mittagessen vorschreibt, könne in diesem Falle nicht greifen, da das Fasten zur individuellen Freiheit gehöre, so die Erklärung. Um weitere Spannungen zu vermeiden, ruderte der Bürgermeister nun zurück. Das umstrittene Fastenverbot werde aufgehoben. Locker lassen will er allerdings nicht. Im September, nach Ende des Ramadans, erhoffe sich Bourgoin eine Debatte zu dem Thema (in Deutschland wurden in diesem Jahr Empfehlungen für Arbeitgeber herausgegeben – mehr hier).

Er habe nicht diskriminieren wollen, verteidigt sich Bourgoin. Grund für die Klausel in den Arbeitsverträgen sei ein Unfall vor drei Jahren gewesen. Eine fastende Busfahrerin habe aufgrund eines Schwächeanfalls einen Unfall verursacht, bei dem ein Kind verletzt worden sei. Er hätte dieselbe Entscheidung bei einer Betreuerin gefällt, die eine Diät mache. Die suspendierten Mitarbeiter waren für den Monat Juli als Betreuer eingestellt. Ihr Gehalt wurde ihnen weiterhin gezahlt.

Mohand Yanat, der Anwalt der suspendierten Betreuer, erklärte der Nachrichtenagentur AFP, dass es sich bei der Sicherheitsfrage nur um einen Vorwand handle. Er sei überzeugt, dass Vorurteile gegenüber Muslimen Grund für die Entscheidung gewesen seien (das gilt es während des Ramadans zu beachten – mehr hier).

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