Abtreibungs-Touren: Türkisches Ministerium für Tourismus und Kultur entzieht Reiseveranstalter die Lizenz

Das türkische Ministerium für Tourismus und Kultur hat die Umtriebe eines Reiseunternehmens gestoppt und ihm die Lizenz entzogen. Der Grund: Der Betrieb hat internationale „Abtreibungs-Touren“ für türkische Frauen angeboten.

Wie die türkischen Medien derzeit berichten, habe das hiesige Reiseunternehmen Baracuda Tur die aktuelle Abreibungsdebatte um eine mögliche neue Verordnung in der Türkei für ihre Vorteile nutzen wollen (es stand zu befürchten, dass die Regierung ein Verbot beschließen könnte – mehr hier). Aus diesem Grund habe man Sight-Seeing-Touren ins Programm aufgenommen, die kurzerhand mit dem medizinischen Eingriff verbunden wurden.

Baracuda Tur habe vor etwas mehr als zwei Wochen damit begonnen, Touren an die Krim, nach Bosnien, Türkisch-Zypern und nach England anzubieten. Angeblich hätten schon 16 Interessentinnen gebucht.  „Wenn etwas im eigenen Land verboten wird oder schwierig zu bekommen ist, werden die Leute immer einen Weg finden, es doch zu bekommen. Wir Tourismusunternehmen profitieren von diesen Reglements“, so der Generalmanager von Baracuda Tur, Cem Polatoğlu, gegenüber der Radikal.  Bisher habe man acht Touren nach Türkisch-Zypern, fünf an die Krim und drei nach Bosnien verkauft.

Kurze Städtereisen inklusive Abtreibung

Den ersten Tag, so heißt es weiter, würden die Kundinnen mit der Erkundung der Sehenswürdigkeiten an ihrem Reiseziel der Wahl verbringen. Erst am nächsten Tag stünde dann der medizinische Eingriff an (selbst der Ausschuss des Europarates mischte sich in die türkische Diskussion zu diesem Thema ein – mehr hier). Der dritte und vierte Tag der Reise sei dann der Erholung vorbehalten. Wie Polatoğlu weiter ausführt, seien die Frauen, die sich bisher zu einer solchen Reise entschlossen hätten, nicht älter als 35 Jahre gewesen. Bis auf eine Ausnahme seien die Damen alle aus Istanbul. Eine stamme aus İzmit.

Die Türkei ist derzeit ein beliebtes Ziel für Abtreibungs-Touristen aus dem Nahen Osten und aus den arabischen Ländern, so ein anonymer Gesundheitsexperte gegenüber der Tageszeitung Hürriyet. Würde sich die türkische Regierung dazu entscheiden, Abtreibungen zu verbieten, würden auch diese Umtriebe ein Ende haben. Seinen Angaben zufolge würden derzeit nicht wenige türkische Frauen für eine Abtreibung nach Türkisch-Zypern reisen.

Abtreibung von jungen, unverheirateten Frauen verlangt

Für eine Abtreibungs-Tour an die Krim verlangte Baracuda Tur 299 Euro. 600 Dollar kostete eine Reise nach Bosnien. 1200 Pfund wurden für einen Trip nach Großbritannien fällig. Wie Polatoğlu am vergangenen Mittwoch gegenüber der Zaman erklärte, sei das Angebot auf Grund der Nachfrage von Kundinnen entstanden. Es seien vor allem junge, unverheiratete Frauen, die Angst davor hätten, den Eingriff in der Türkei vornehmen zu lassen. Bisher seien alle Frauen wohlbehalten wieder in die Türkei zurückgekehrt und hätten keine gesundheitlichen Probleme.

Wie die Hürriyet nun an diesem Donnerstag berichtet, sei das Ministerium für Tourismus und Kultur eingeschritten und habe dem Reiseunternehmen die Lizenz entzogen.

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