Top-General gesteht: Militär wollte AKP putschen

Im laufenden Ergenekon-Prozess hat der ehemalige Generalstabschef Hilmi Özkök eine entscheidene Aussage gemacht. Er bestätigte vor Gericht, dass es zu seiner Zeit Putschpläne gegeben habe. Diese seien allerdings nicht offiziell gewesen.

Hilmi Özkök seien Dokumente zugespielt worden, auf denen die Putschpläne  „Ayışığı“ (dt. Mondlicht) sowie „Yakamoz“ (dt. Mondschein auf dem Wasser) dargestellt waren. „Im Frühling 2004 wurde mir eine CD gegeben, auf der Präsentationen von Ayışığı und Yakamoz enthalten waren. Es könnte sich um falsche oder um wahre Informationen gehandelt haben. Ich habe das noch nicht einmal meinen Vorgesetzten mitgeteilt. Als Generalstabschef musste ich vorsichtig sein. Da es sich bei Ayışığı und Yakamoz nicht um offizielle Dokumente gehandelt hat, habe ich nichts unternommen“, erklärte Özkök bei seiner Anhörung in Istanbul am Donnerstag (auch der Anfang des Jahres verhaftete Ex-Militärchef Ilker Basbug wohnte der Verhandlung bei – mehr hier).

Hilmi Özkök bestätigte vor Gericht, dass er Kenntniss von Putschplänen hatte. (Foto:DTN)

Hilmi Özkök bestätigte vor Gericht, dass er Kenntniss von Putschplänen hatte. (Foto:DTN)

Die beiden Codenamen gerieten erstmals an die Öffentlichkeit, als die Zeitschrift Nokta Dokumente des ehemaligen Marine-Chefs Özden Örnek veröffentlichte. Kurz darauf wurde gegen den Herausgeber ermittelt und die Zeitschrift schließlich dicht gemacht. Bei den Ergenekon-Prozessen stellten sich die veröffentlichten Dokumente als authentisch heraus.

Örnek erwähnte darin, dass die Putschpläne erstzunehmen seien. Er habe gegen die Verantwortlichen vorgehen wollen, doch habe er das schließlich doch nicht getan, damit es nicht zu Spannungen zwischen ihm und seinen Vorgesetzten komme, da er keine Beweise in der Hand gehabt hätte.

Als die AKP vor zehn Jahren an die Macht kam, habe das bei vielen Mitgliedern des Militärs zu Unbehagen geführt, so Özkök. Dieser Umstand sei untereinander besprochen worden. Doch, ganz egal, was auch geäußert wurde, schlussendlich würden immer die Befehle des Generalstabschefs befolgt, erklärte Özkök weiter. Über Ergenekon insgesamt, die mutmaßliche Untergrundorganisation, wisse er nur wenig (der Journalist Sahin Alpay sieht die Ergenekon-Prozesse als Weg in die Demokratisierung – mehr hier). Er bestätigte allerdings auch, dass ihm der türkische Geheimdienst Dokumente über Ergenekon vorgelegt habe. Er habe damals jedoch nach authentischerem Material verlangt.

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