Neue Filmstudios: Eskişehir wird das Hollywood der Türkei

Neuer Schub für die zentralanatolische Provinz Eskişehir. Dank eines ambitionierten Projekts könnte die Region zur führenden Anlaufstelle für türkische TV-Serien- und Filmproduktionen werden. Die Idee hierzu stammt von Professor Ufuk Küçükcan von der renommierten Anadolu Universität.

Hollwood war gestern: Künftig will die Türkei noch mehr internationale Filmemacher anziehen. (Foto:  Thomas Claveirole/flickr)

Hollwood war gestern: Künftig will die Türkei noch mehr internationale Filmemacher anziehen. (Foto: Thomas Claveirole/flickr)

Der türkische Serien- und Filmsektor boomt. Einen weiteren Aufschwung könnte dieser Industriezweig nun durch den geplanten Bau eines riesigen neuen Filmstudios erfahren. Das Ziel: Eskişehir soll sich mit der Zeit in eine Art „Mini-Hollywood“ verwandeln. Die Anadolu Universitäts Filmstudios werden, so heißt es, auf einem 65 Hektar großen Gelände errichtet und beinhalten, laut Projektleiter Professor Ufuk Küçükcan, vier Sets, darunter Open-Air-Schausplätze, Poolanlagen und vieles mehr.

Der Bau in Eskişehir ist das Ergebnis einer langen Recherche, in der sich das Team sowohl innerhalb der Türkei als auch im Ausland – vor allem in Kalifornien – nach passenden Drehorten umgesehen hatte. Daneben, so Küçükcan habe es auch Gespräche mit Regisseuren aus Hollywood und der Türkei gegeben.

US-Filmindustrie steckt in der Krise

Doch schöne und gut ausgestattete Locations seien nicht alles: In Anbetracht dessen, dass ausländische Filmemacher seit langem über die Schwierigkeiten qualifiziertes Personal zu finden, um an ihren Projekten zu arbeiten, klagen, erklärte Küçükcan weiter, dass die Universität ebenso darauf abzielen würde, Studenten auszubilden, um so den Bedürfnissen der Filmindustrie gerecht zu werden. Wie Küçükcan zudem unterstrich, handle es sich um ein globales Projekt. Die derzeitigen Probleme in der US-amerikanischen Filmindustrie könnten, so lässt er durchblicken, dem türkischen Standort sehr zupass kommen. Bereits seit mehr als zehn Jahren würden sich gerade die Kalifornier immer öfter im Ausland nach geeigneten Drehorten umsehen. Ausschlaggebend seien hier vor allem die Kosten, die fern von Hollywood um einiges niedriger seien (auch die Schwarzmeer-Provinz Trabzon steht hoch im Kurs – mehr hier).

Doch nicht nur die Amerikaner sollen gelockt werden. Derzeit, so der Professor, gäbe es in der Türkei einen riesigen TV-Serien-Sektor. Allein im Jahr 2011 seien 73 Seifenopern auf den sechs Hauptkanälen ausgestrahlt worden, die einen Gesamtumsatz von 600 Millionen Lira nach sich zogen. Die Serien- und Filmbranche habe in den vergangenen Jahren einen drastischen Aufschwung erfahren. Deren Erzeugnisse seien vor allem in der arabischen Welt mittlerweile zu einem echten Exportschlager avanciert (so sind Songül Ödens „Desperate Housewives“ sind künftig auch auf dem arabischen TV-Sender MBC4 zu sehen – mehr hier).

Istanbul als Drehort völlig ungeeignet

Istanbul, darauf weist der Fachmann hin, sei kein geeigneter Standort, um zu expandieren. Es gäbe weder spezielle Sets noch Studios, die mit den Standards andernorts auf der Welt vergleichbar wären. Es gäbe nicht einmal genügend Raum, um ein neues Studio hochzuziehen (der kürzliche James Bond Dreh im großen Basar hat für heftige Kontroversen gesorgt – mehr hier). Und selbst wenn, wäre der Preis dafür viel zu hoch. Eskişehir sei jedoch geradezu ideal. Es befinde sich im Zentrum der Türkei. Istanbul, Ankara, Antalya und İzmir seien schnell zu erreichen. Das Straßen- und Schienennetz sei gut ausgebaut und Klima und Lanschaft seien ebenfalls bestens geeignet.

Wann er erste Spatentisch fällt, ist bisher noch nicht bekannt.

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