Tschernobyl: Türkische Okyanus Group hilft bei Reaktorsicherung

Die türkische Okyanus Group hat den Zuschlag bei einer Ausschreibung zur weiteren Sicherung des Katastrophen-Akws von Tschernobyl erhalten. Das Unternehmen ist dafür zuständig eine rostfreie Stahlblech-Konstruktion zu bauen, die die Innen- und Außenseite des Reaktors bedeckt.

 Tschernobyl soll in einen ökologisch sicheren Zustand überführt werden. (Foto:  Marco Fieber/flickr)

Tschernobyl soll in einen ökologisch sicheren Zustand überführt werden. (Foto: Marco Fieber/flickr)

Die Bemühungen, eine neue Schutzhülle für das 1986 verunglückte ukrainische Kernkraftwerk zu bauen, sind bereits in vollem Gange. Daran beteiligt, so berichten die türkischen Medien, seien insgesamt 23 Nationen, die mit einem Gesamtbudget von 1,6 Milliarden Dollar agieren. Die türkische Okayanus Group werde dafür verantwortlich sein, rostbeständige Stahlplatten zu konstruieren, die die Innen- und Außenseite des Reaktordeckels umsäumen sollen.

Lebensdauer der neuen Hülle auf 100 Jahre ausgelegt

Das Projekt sehe den Bau eines riesigen Gewölbes vor, das den Reaktor Nummer vier des einstigen Kernkraftwerks komplett bedecken und so verhindern solle, dass radioaktive Partikel in die Atmosphäre gelangen, umreist Osman Güney, CEO der Okyanus Group, das Vorhaben Die hierbei verwendeten Materialien würden auf eine Lebensdauer von mindestens 100 Jahren ausgelegt und in der Lage sein Windgeschwindigkeiten von bis zu 170 Kilometern in der Stunde Stand zu halten. Die Schutzhülle selbst würde an einem anderen Ort gebaut und dann über dem Reaktor platziert werden.

Das türkische Unternehmen wurde nach eigenen Angaben auf Grund seiner Erfahrungen mit rostfreien Stahlplatten ausgewählt. Diese Kompetenz und die technischen Kapazitäten hätten letztlich den Ausschlag für die Zusage gegeben und nicht so sehr der anvisierte Preis. „Natürlich sind wir stolz darauf, dass eine türkische Firma für so ein hoch technisches Projekt ausgewählt wurde“, so der CEO weiter (die Türkei selbst hält trotz anhaltender Kritik aus der Bevölkerung weiter an ihrem Atomkurs fest – mehr hier).

Tschernobyl bis heute als militärisches Sperrgebiet

Während eines Routineexperiments am 26. April 1986 kam es in Tschernobyl zur schlimmsten Atom-Katastrophe der Menschheitsgeschichte. Nach der Explosion trat aus den Reaktoren Radioaktivität aus. Einige Monate nach dem Unglück begann ein kleines Team, das unter extrem gefährlichen Bedingungen arbeitete, damit, den Reaktor zu bedecken. Nach nunmehr 25 Jahren ist diese Hülle jedoch veraltet und muss dringend erneuert werden. Das aktuelle Projekt soll voraussichtlich im Jahr 2016 abgeschlossen sein. Die seither radioaktiv verstrahlte Region um den Reaktor ist weitläufig unbewohnbar und gilt bis heute als militärisches Sperrgebiet (erst im vergangenen März riet der Greenpeace International Chef Kumi Naidoo, die Türkei sollte mehr auf Solar- und Windenergie setzen – mehr hier).

Die Bauarbeiten für eine neue luftdichte Schutzhülle, die sich bogenförmig über dem zerstörten Reaktorblock und dem alten Betonsarkophag spannen soll, haben bereits begonnen. Im Jahr 2007 hat Novarka, eine französische Arbeitsgemeinschaft aus den Unternehmen Vinci und Bouygues, den Zuschlag für die neue Schutzhülle erhalten. Das langfristige Ziel aller Bemühungen, das durch verschiedene Geberländer finanziert wird: Tschernobyl soll in einen ökologisch sicheren Zustand überführt werden.

Hier geht es zum animierten Modell der Okyanus Group.

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