Metin Erksan: Mitbegründer des türkischen Kinos stirbt mit 83 Jahren

Die türkische Filmszene trauert um ihren Filmregisseur, Schauspieler und Kunsthistoriker Metin Erksan. Der Mitbegründer des türkischen Kinos verstarb bereits am vergangenen Samstag, den 4. August, im Alter von 83 Jahren in einem Istanbuler Krankenhaus.

Erksan, dessen Film „Susuz yaz“ im Jahr 1964 den Hauptpreis auf der Berlinale gewann, galt in der Türkei als einer der Vorreiter der hiesigen Filmindustrie und neben Lütfi Ömer Akad, Atıf Yılmaz und Halit Refiğ als einer der wichtigsten Vertreter der türkischen Regisseure-Ära der 1950er Jahre. Dem Aufstieg des studierten Kunsthistorikers war eine Zeit vorausgegangen, in der Kino in der Türkei nur einer kleinen, privilegierten Gruppe vorbehalten war – sowohl hinsichtlich des Konsums als auch der Produktion (Anfang Juli verstarb der türkische Dramatiker und Bühnenautor Güngör Dilmen – mehr hier).

Debüt „Karanlık Dünya“ fiel der Zensur zum Opfer

Sein Filmdebüt gab Erksan im Jahr 1952 mit „Karanlık Dünya“. Es war der erste Film in der Türkei, der in einer realistischen Dorfkulisse gedreht wurde. Er erzählt die Geschichte des blinden Sängers und legendären Volksdichters Aşık Veysel. Die staatlichen Zensurbehörden waren über das Werk jedoch ganz und gar nicht erfreut und so wurde dem Streifen ein weiteres Attribut zuteil: Die erste Zensur. Viele Szenen im Film – wie auch sein Name – wurden als ungeeignet, oder „unbequem“ betrachtet. Er durfte erst in den Kinos gezeigt werden, nachdem einige Szenen entfernt und neue an ihrer statt eingefügt wurden.

Mit seinem gefeierten Film „Dokuz Dağın Efesi“ legte Erksan dann 1957 nach. Es folgten „Gecelerin Ötesi”, „Yılanların Öcü” und „Acı Hayat”, die sich alle mit sozialem Realismus auseinandersetzten. Im Laufe der Zeit entwickelte der Regisseur seinen eigenen, unverwechselbaren Stil, der durch Filme wie „Susuz Yaz”, „Suçlular Aramızda”, „Sevmek Zamanı” und „Kuyu” markiert wurde. Ersterer erregte auf der Berlinale 1964 einiges Aufsehen und konnte letztlich sogar einen goldenen Bären mit nach Hause nehmen. Das türkische Kino war in die internationale Filmwelt eingeführt.

Metin Erksan lehrte mehr als 30 Jahre lang

Der Verstorbene engagierte sich zudem auch auf dem akademischen Parkett. So war er an der Gründung des Staatlichen Filmarchivs an der Mimar Sinan Universität im Jahr 1963 beteiligt. Seit 1975 gab es dort auf seine Initiative hin auch das Fach Film. Mehr als 30 Jahre lang unterrichtete er an der Mimar Sinan aber auch an anderen Hochschulen.

Seit seinem Tod am vergangenen Samstag trauert nicht nur die türkische Kulturszene, sondern auch höchste politische Ämter wie Präsident Abdullah Gül und der Minister für Kultur und Tourismus Ertuğrul Günay (erst vor wenigen Tagen war Ülkü Adatepe, die Adoptivtochter des Gründers der modernen türkischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk, bei einem Verkehrsunfall gestorben – mehr hier).

Erksan war in der vergangenen Woche wegen Nierenversagens ins Krankenhaus eingeliefert worden.

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