Berlin: Aleviten rufen internationale Gemeinschaft zu Solidarität auf

In Malatya wurde das Haus einer alevitischen Familie belagert, weil diese nicht fastete. Aleviten in Deutschland riefen am vergangenen Wochenende zu Solidarität auf und verlangen, dass solche Vorfälle endlich ein Ende haben müssen.

 

Alevitische Gemeinden aus ganz Deutschland sind am vergangenen Samstag vor der Türkischen Botschaft in Berlin zusammengekommen, um gegen Gewalt an Aleviten in der Türkei zu demonstrieren. Organisierte Busse aus ganz Deutschland und Vertreter der Alevitischen Kulturvereine aus Landshut, Weil am Rhein, München, Bremen, Köln, Leipzig, Stuttgart, Rottenburg, Hamburg und Aalen, sollen nach Angaben der Initiatoren der Kundgebung angereist sein. 8000 Menschen seien nach Angaben der Veranstalter bei der Kundgebung gewesen, die Polizei erklärte allerdings, dass es nur 2000 Teilnehmer gewesen seien.

Ende Juli wurde im Dorf Sürgü in Malatya, im Osten der Türkei, das Haus einer alevitischen Familie belagert. Medienberichten zufolge wurden die Fenster mit Steinen eingeschlagen und der Stall angezündet. Auslöser für den Übergriff war offenbar ein Streit mit dem Ramadan-Trommler des Dorfes (mehr hier).

Den Übergriff auf die Familie in Malatya nahmen alevitischen Vertreter in Deutschland zum Anlass, für ihre Rechte zu demonstrieren. Aleviten sind in der Türkei nicht als eigene Religionsgemeinschaft anerkannt, kritisierte Aziz Aslandemir, stellvertretender Vorsitzender der Alevitischen Gemeinde Deutschland e.V. (AABF). Einige Aleviten in der Türkei sind allerdings der Ansicht, dass das Alevitentum keine eigenständige Religion sei und Aleviten ebenfalls Muslime seien (mehr hier). „Aleviten wollen eine Wiederholung solch einer Tat verhindern und rufen die europäische und internationale Gemeinschaft zu Solidarität auf“, appellierte Aslandemir. Was in den letzten Tagen in Malatya passiert ist, sei kein Einzelfall. Der Fall der Familie Evli habe aufgerüttelt und Mut gemacht, auch zu handeln, wenn der Gegner übermächtig sei.

Die Verfolgung von Aleviten stütze sich, so Aslandemir, vor allem auf eine Aussage aus der Zeit des Osmanischen Reichs, wonach Aleviten als vogelfrei erklärt worden seien. Von der anwesenden Menge waren allerdings auch nicht nur friedliche Worte zu hören. So riefen die Zuhörer während Aslandemirs Rede: „Der mordende Staat wird dafür büßen“.

Ein „Dede“, ein hoher Vertreter der alevitischen Gemeinde, kritisierte zudem auch einige Aleviten in der Türkei. Sie würden sich „einschmeicheln“, indem sie muslimische Mitbürger anlässlich des Ramadan zum Abendmahl einladen würden. Dedes stammen von Hz. Ali ab und fungieren bei den Aleviten als religiöse Vertreter. Auf Beerdingungen würden Aleviten in der Türkei, aus Achtung vor den sunnitischen Gästen aus dem Koran lesen und das Totengebet beten, erklärte er weiter. „Ihr könnt euren Glauben aus Angst nicht nach anderen ausrichten“ plädierte er. Einerseits riefen die Redner zum friedlichen Zusammenleben auf und andererseits betonten auch sie ihr Misstrauen gegenüber den anderen: „Auch wenn ihr anfangt so zu beten wie sie, werden sie euch dennoch nicht akzeptieren und sagen, die haben ’schlechtes Blut’“.

„Niemand kann die in Sürgü lebenden Aleviten zur Emmigration zwingen“, sagte Hüseyin Mat, AABF Vorsitzender und nannte das ungebüßte Sivas-Massaker (mehr dazu hier) als ein Beispiel, welches sich nicht wiederholen dürfe.

Nach schriftlichen Angaben der Behörden, wurde der Trommler Mustafa Evşi nach seiner Vernehmung in die Staatsanwaltschaft Doğanşehir gebracht und festgenommen, weil er „die öffentliche Ordnung“ störe. 23 Personen, die verdächtigt werden, das Haus mit Steinen beworfen zu haben, wurden verhört und an die Oberstaatsanwaltschaft verwiesen, woraufhin sie jedoch wieder freigelassen wurden. Es wird weiterhin gegen sie ermittelt.

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