Beschneidung: Norwegen will religiöse Praxis durch symbolisches Ritual ersetzen

Während sich der Bundestag in Deutschland klar für das Recht auf religiös motivierte Beschneidung entschieden hatten, entfachen in anderen Ländern neue Diskussionen zu dem Thema. Norwegens Ombudsfrau für Kinderrechte fordert eine Abschaffung und will stattdessen nur ein symbolisches Ritual.

Die Beschneidung verletze das Recht der Jungen, selbst über ihre Körper zu entscheiden. „Muslimische und jüdische Kinder haben das Recht auf denselben Schutz wie alle anderen Kinder“, erklärte Dr. Anne Lindboe, Ombudsfrau für Kinderrechte in Norwegen (so argumentierte auch der Jurist Holm Putzke im DTN-Interview – mehr hier). Der Eingriff sei medizinisch unbegründet und verursache unnötiges Leid. Deshalb ihr Vorschlag: Den medizinischen Eingriff durch ein religiöses Ritual ersetzen.

Ervin Kohn, Präsident der jüdischen Gemeinde in Norwegen ist empört. Für ihn kommt das überhaupt nicht in Frage. Norwegische Juden „können nicht in einer Gesellschaft leben, in der Beschneidung verboten ist“, erklärte er. Doch genau das will auch die norwegische Zentrumspartei.Ein Sprecher forderte bereits im Juni, Säuglings-Beschneidung zu verbieten. Allein kann sie damit allerdings nicht erfolgreich sein, denn die Partei hat lediglich elf von 169 Sitzen im Parlament.

Auch in Deutschland lehnten Muslime und Juden ein Verbot strikt ab. Die breiten Proteste führten schließlich dazu, dass der Bundestag eine Resolution verabschiedete (hier).

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