Nächtlicher Massenansturm: 2400 Syrer flüchten in die Türkei

Auf die Türkei ist in dieser Woche ein erneuter Massenansturm syrischer Flüchtlinge hereingebrochen. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch waren es allein 2400 Hilfesuchende, die der andauernden Gewalt in ihrer Heimat entfliehen konnten. Während die Gefechte zwischen Rebellen und Regimetreuen unvermindert andauern, verschärft sich die humanitäre Krise im Land zusehends.

Die Gruppe aus 2400 Personen, so heißt es in den türkischen Medien, habe vor allem aus Frauen und Kindern bestanden. Unter den Flüchtlingen seien jedoch erneut hochrangige syrische Militärs gewesen. Diesmal waren es zwei Generäle und zwei Oberst, die aus der syrischem Armee desertiert seien (schon Ende Juli hat die Türkei alle Grenze zu Syrien dicht gemacht – mehr hier).

Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anatolia berichtet, wären neun der Flüchtlinge bei Gewaltausbrüchen in der Nähe der einstigen Handelsmetropole Aleppo sowie in der Grenzstadt Idlip verwundet worden – auch unter ihnen waren wiederum Frauen und Kinder. Bereits seit zwei Tagen, so der Bericht weiter, wäre erneut ein deutlicher Anstieg der Flüchtlingszahlen in die Türkei zu beobachten. Wie Aktivisten berichteten, fallen diese Ströme direkt mit den andauernden Auseinandersetzungen zusammen, die derzeit in der Nähe des historischen Zentrums von Aleppo ausgetragen werden. Ebenso dazu bei trage das intensive Bombardement der syrischen Regierung in der Nähe der Grenzstadt Tal Rafaat.

Flüchtlingsströme haben sich fast täglich verdoppelt

Wie von offizieller türkischer Seite berichtet, seien allein am vergangenen Dienstag 1,328 Flüchtlinge in der Türkei angekommen. Schon damit habe sich der Flüchtlingsansturm vom Vortag nahezu verdoppelt.

Aktuell finden gut 50.000 syrische Flüchtlinge Unterschlupf in der Türkei. Noch mehr Flüchtlinge sollen sich derzeit in Jordanien und im Libanon aufhalten. „Unglücklicherweise setzt sich in Syrien gerade eine menschliche Tragödie fort“, so der stellvertretende Ministerpräsident Ali Babacan. Mindestens 19.000 Menschen, so kritisiert der Politiker, hätten während der Unruhen bereits ihr Leben lassen müssen.

Erstmals nach knapp drei Wochen hat sich am vergangenen Dienstag auch Machthaber Bashar al Assad wieder im syrischen TV gezeigt. An seiner Seite Saeed Jalili, Vorsitzender des Obersten nationalen Sicherheitsrats des Iran. Noch einmal bestärkten sie in diesem Auftritt ihren Kampf gegen die Rebellen und ihre Hintermänner (hinsichtlich der in Syrien entführten Iraner bat man die Türkei um Hilfe – mehr hier). Auf Einladung der iranischen Führung beraten mehrere Staaten an diesem Donnerstagabend in Teheran über die Lage in Syrien. Wer an der Konferenz teilnimmt, ist bisher nicht klar. Einzig eine Zusage aus Russland ist bereits öffentlich. Es soll sich aber um Länder handeln, die Baschar al-Assad weiter an der Macht sehen wollen und darüber hinaus das Ziel verfolgen, den Bürgerkrieg mit friedlichen Mitteln ohne ausländische Einmischung zu beenden.

Deutscher bangt in Gefängnis in Aleppo

Landesweit sollen allein am vergangenen Mittwoch erneut mehr als 160 Menschen gestorben sein. Wie nun an diesem Donnerstag bekannt wurde, sitzt auch ein Deutscher im Zentralgefängnis von Aleppo in Haft. Der 51-jährige Mann, so heißt es derzeit in den Medien, fürchte nach der Erschießung mehrerer Häftlinge in der vergangenen Woche um sein Leben. Dem Auswärtigen Amt wirft er Versagen vor. Wie unter anderem die Rheinische Post berichtet, ließen sich die Angaben des Deutschen, der auch einen syrischen Pass habe, jedoch nicht unabhängig überprüfen. Weiter schreibt das Blatt: „Nach Informationen der ‚Süddeutschen‘ soll er bereits 2006 wegen Kontakten zu der in Syrien verbotenen Muslimbruderschaft verurteilt worden sein. Der Mann sei eigentlich irakischer Kurde, aber mit einem gefälschten syrischen Pass in den 80er Jahren nach Deutschland gekommen. Er habe lange in Regensburg gelebt.“

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