Türkischer Dichter Can Yücel: Nach der Grabschändung keine Gedenkfeier zum Todestag

Die Familie des bekannten politischen Dichters Can Yücel wird anlässlich seines Todestages am 12. August keine Gedenkfeier organisieren. Auch das so genannte Can Haus, in dem seine Habseligkeiten ausgestellt sind, bleibt geschlossen. Laut seiner Witwe Güler Yücel werde man erst wieder öffnen, wenn diejenigen bestraft seien, die im vergangenen Jahr sein Grab geschändet hätten.

Anlässlich des Todestages ihres 1999 verstorbenen Mannes erklärt Güler Yücel: „Can sagte: ‚Lasst Datça meine Heimatstadt sein.‘ Doch sie beschädigten sein Grab.“ Immer habe er dort begraben sein wollen. Die Attacke auf seine letzte Ruhestätte im August 2011 verärgert seine Witwe nun umso mehr. Auch mit der Gemeinde soll es Unstimmigkeiten gegeben haben. Nachdem bei den letzten Zeremonien für den türkischen Dichter offenbar Wein getrunken wurde, wolle diese nun keine weitere Feier ausrichten (derzeit erschüttert ein Skandal die Kunstszene in Ankara – mehr hier).

„Der Angriff auf das Grab hat uns tief beleidigt. Wir sind solcher Dinge wirklich müde. Wahrscheinlich mögen diese Leute Can nicht. Doch fast 150 Menschen besuchen Cans Haus Jahr für Jahr. Cans Gedichte werden im ganzen Land gelesen. Wir werden keinen Festakt veranstalten. Doch wir werden ihm als Familie gedenken“, so seine Witwe weiter. Can hätte eine Menge für Datça getan. Unter anderem hätte er das Buch „Mekanım Datça Olsun“ veröffentlicht. Dass sein Grab nun derart respektlos attackiert worden sei, wäre eine echte Schande.

Yücel gibt sich entschlossen: Das Can Haus, das Jahr für Jahr von 150 Tages- und 200 Urlaubsausflüglern besucht wird, bleibt zu bis die Täter vor Gericht gestellt und ihre Strafe erhalten haben.

Yücel verstarb in Datça an Kehlkopfkrebs

Can Yücel war der Sohn des einstigen türkischen Bildungsministers Hasan Ali Yücel. Nach seinen Studien an der Universität von Ankara und Cambridge arbeitete er als Übersetzer in verschiedenen Botschaften bevor es ihn zur BBC nach London zog. Nach seiner Rückkehr in die Türkei 1958 arbeitete er vor allem als Touristenführer in Bodrum und Marmaris. Später siedelte er nach Istanbul über, wo er als freischaffender Übersetzer Autor tätig war. Seinen Lebensabend verbrachte Yücel in Datça, wo er an Kehlkopfkrebs verstarb. Bekannt wurde Yücel vor allem durch seinen direkten von Slang und vulgärer Sprache durchzogenen Stil. In seinen Gedichten befasste er sich hauptsächlich mit der Natur, den Menschen, Wahrnehmungen oder auch Emotionen. Neben eigenen Arbeiten tat sich Yücel auch als Übersetzer der Werke von Shakespeare, Brecht und Lorca ins Türkische hervor (erst vor kurzem verstarb der türkische Dramatiker und Bühnenautor Güngör Dilmen – mehr hier).


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