Behinderte im Staatsdienst: Erdoğan will Engagement weiter ausbauen

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan hat angekündigt, die Jobchancen für behinderte Menschen in der Türkei weiter ausbauen zu wollen. Im Rahmen einer Feierstunde wurden am Donnerstag Absolventen der Personalprüfung für den Staatsdienst (ÖMSS) ausgezeichnet.

Im Rahmen der Bekanntgabe der Ergebnisse des Beamten-Auswahltest für Behinderte gratulierte Premier Erdoğan in den Räumlichkeiten der Handelskammer von Ankara (ATO) nicht nur den erfolgreichen Prüflingen, sondern sprach auch all jenen Mut zu, die es diesmal nicht geschafft hatten. „So Gott will“, fuhr er fort, „werden wir auch weiterhin helfen Arbeitsplätze für unsere behinderten Brüder und Schwestern zu schaffen, solange, bis jeder einen Job bekommt.“

7,746 Menschen mit Behinderung bestehen den Auswahltest

Dass dieser Ankündigung nun auch dringend Taten folgen müssen, zeigt allein der Zulauf, den dieser Beamten-Auswahltest für Behinderte erfahren hat. Wie Erdoğan selbst bemerkte, habe man 16 Mal mehr ÖMSS-Anträge erhalten, als eigentlich erwartet worden waren. Offenbar sehen viele Menschen mit Einschränkungen ihr Heil und ihre berufliche Zukunft in einem Posten im türkischen Staatsdienst.

Insgesamt haben 60,346 im vergangenen April an dem erstmals durchgeführten Test teilgenommen. Mit dieser Prüfung haben behinderte türkische Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, eine Position in einer öffentlichen Einrichtung zu erhalten. Bei der Zeremonie am vergangenen Donnerstag wurden schließlich 7,746 Personen zu Beamtinnen und Beamten ernannt.

Ausgrenzung fängt schon in der Schule an

Eine im vergangenen Frühjahr durchgeführte Umfrage hatte gezeigt, dass Menschen mit Behinderung in der türkischen Öffentlichkeit noch immer Diskriminierungen ausgesetzt sind. Im Rahmen einer Untersuchung der Vereinigung zur Prävention und Bekämpfung von Diskriminierung behinderter Menschen mit dem Titel „Die Position Behinderter, Wahrnehmung und Diskriminierung” („Engelli Konumlandırma ve Algı Anketi”) wurden damals 800 Bürgerinnen und Bürger in neun türkischen Provinzen befragt. Vor allem in den Schulen sei Mobbing und Ausgrenzung an der Tagesordnung. Der Projektkoordinator der Vereinigung, Süleyman Akbulut, erklärte hierzu gegenüber der türkischen Zeitung „Radikal”: „Die Wahrnehmung und die Herangehensweise an Menschen mit Behinderung muss sich ändern.” Sein Vorschlag zur Verbesserung der Situation: “Die Lehrpläne in den Schulen sollten Kurse beinhalten, die aufzeigen, wie man Behinderte mit Respekt behandelt.”

Welche Schritte Premier Erdoğan unternehmen will, um die Situation zu verbessern, führte er nicht weiter aus (konkret wurde hingegen das Amt für Religiöse Angegelenheiten, das zumindest den Zugang zu Moscheen erleichtern will mehr hier).

Mehr zum Thema:

Gebärdensprache: Türkei will ihr eigenes Wörterbuch herausbringen
Behinderte in der Türkei: Noch immer Diskriminierung ausgesetzt
Amt für Religiöse Angelegenheiten: Türkische Moscheen sollen behindertengerecht werden

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.