Medien provozieren Konflikte: Vertreter einer alevitischen Gemeinde klagt an

Wiederholt wurde in den vergangen Tagen über die Auseinandersetzungen zwischen Aleviten und Sunniten berichtet. Ein hoher alevitischer Glaubensvertreter kritisiert nun die Rolle der Medien innnerhalb des Konflikts.

Ein alevitischer Dede fordert von den Medien eine verantwortungsvollere Berichterstattung. (Foto:  estevenson/flickr)

Ein alevitischer Dede fordert von den Medien eine verantwortungsvollere Berichterstattung. (Foto: estevenson/flickr)

Ein alevitischer Dede klagt die Medien und Politiker an, Konflikte zwischen Aleviten und Sunniten zu schüren. Anlass seines Unmuts ist der undurchsichtige Streit eines Ramadan-Trommlers und einer alevitischen Familie.  Der Mann aus dem alevitischen Versammlungs- und Gotteshaus Gazi Cemevi, brachte seine Unzufriedenheit über die Vorgehensweise der Medien in einem Gespräch mit der türkischen Tageszeitung Zaman zum Ausdruck.

„Die Medien sollten aufhören über diese Ereignisse zu berichten. Stattdessen sollten sie sich stets gegen solche Konflikte aussprechen und für Brüderschaft untereinander einstehen.“ Es sollte sich für die Unterdrückten eingesetzt werden. Zudem, so der Dede weiter, sei es Aufgabe der Regierung die Verantwortlichen festzunehmen. „Die Alevitische Gemeinde hat ein sehr schlechtes Gefühl, was die jüngsten Geschehnisse angegeht“, fügt Dede Veli Gülsoy hinzu.

Der Ramadan-Trommler aus der Provinz Malatya war verhaftet worden, nachdem er Steine auf das Haus der Familie warf. Entstanden war der Streit angeblich dadurch, dass der Mann von der alevitische Familie beleidigt wurde, während er die Nachbarschaft für das Suhur weckte. „Suhur“ nennt sich die Mahlzeit vor Sonnenaufgang, die Muslime während des Ramadans einnehmen.

AKP und CHP versuchen Vorfällen auf den Grund zu gehen

Der Vorfall sorgte augenblicklich für neue Spannungen zwischen Aleviten und Sunniten. Jährlich, besonders während des Ramadans, kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen den Gemeinden (die Alevitische Gemeinde Deutschland, dass diese und viele ähnliche Vorfälle endlich ein Ende nehmen müssen – mehr hier). Sowohl die regierende AK-Partei als auch die CHP schickten nun eine Delegation nach Malatya, um mit der Familie zu sprechen und die genauen Abläufe in Erfahrung zu bringen.

In der Zwischenzeit kursierte ein Video in den Medien, auf dem zu sehen war, wie Sunniten zwei Aleviten beim Wasser trinken an einem Brunnen zusammengeschlugen. Mittlerweile wurde jedoch bekannt, dass die Aufnahmen aus der nördlichen Provinz von Çorum bereits sechs Jahre alt sind. Doch obwohl sich nach der Veröffentlichung darüber hinaus herausstellte, dass dieser Vorfall gestellt war, intensivierte er den bereits bestehenden Konflikt (bei einer Demonstration in Berlin riefen Aleviten die internationale Gemeinschaft zu Solidarität auf – mehr hier).

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