Solarenergie: Türkische Regulierungsbehörde will Investitionen ankurbeln

Während die türkische Regierung weiterhin an ihrem Atomkurs festhält, kommt ins Feld der Erneuerbaren Energien offenbar langsam Bewegung. Auf Grund der Entscheidung der türkischen Regulierungsbehörde für den Energiemarkt (EMRA Enerji Piyasasi Düzenleme Kurumu) ab Juni 2013 Lizenz-Anträge für Photovoltaik-Projekte entgegenzunehmen, könnten auch die Investitionen in der Solarenergie-Branche einen ordentlichen Schub erfahren.

In Sachen Förderung ihrer Solarenergie-Anlagen hinke die Türkei noch immer hinter großen europäischen Ländern hinterher, fasst ein Bericht des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens „Deloitte Turkey“ mit dem Titel „Sunny Days in Renewable Energy“ derzeit zusammen. Die gesamten Installationen in europäischen Ländern wie Deutschland, Spanien oder der Tschechischen Republik, die einen Verkauf der erzeugten Energie zu hohen Festpreisen erlauben würden, hätten sich schnell ausgebreitet. Gleichzeitig seien die Anreize für Solarenergie-Anlagen gesenkt worden als die Solartechnologien in diesen Ländern immer günstiger wurden. Doch selbst auf diesem niedrigeren Niveau seien die Förderungen dort noch immer höher als augenblicklich in der Türkei.

Investoren in der Solarbranche sollten realistisch kalkulieren

In Deutschland und in Spanien würden 13.5 Cent pro Kilowattstunde bezahlt. In der Tschechischen Republik sind es sogar 28.8 Cent pro Kilowattstunde. Die Türkei hingegen habe sich verpflichtet, lediglich zehn Cent zu bezahlen. Dies mache es nun umso wichtiger für Investoren, eine Machbarkeitsstudie für ein realistisches Investment in Solarstrom durchzuführen. Hier könnte man etwa von Ausschreibungen für Windkraftanlagen lernen, erläutert Sibel Çetinkaya, von Deloitte Turkey, die für die Bereiche Energie, natürliche Ressourcen und Bauindustrie verantwortlich zeichnet. „Investitionen in Windkraftanlagen sind noch schwieriger zu bekommen, da viele Machbarkeitsstudien für Investitionen in diesem Bereich höhere Deckungsbeiträge versprochen haben, als dann tatsächlich machbar waren“, so die Fachfrau. Sie rät, dass Investoren in der Solarbranche ihre Angebote unbedingt auf Basis realistischer Analysen stellen sollten.

Die derzeit bestehenden rund sechs MWp Photovoltaik-Kapazitäten des Landes sollen auf bis zu 600 MWp im Jahr 2015 ausgebaut werden. Deshalb können interessierte Investoren aus der ganzen Welt in der Zeit vom 10. Juni 2013 bis zum 14. Juni 2013 Bewerbungen für neue Photovoltaik Projekte einreichen, um so das hochgesteckte Ziel zu verwirklichen. „Bereits im August des vergangenen Jahres“, so berichtet die Webseite „ecco select“, „wurden in 27 Provinzen geeignete Flächen für PV-Anlagen ausgewiesen.“ Seit Anfang 2011 hätten sich zudem die Rahmenbedingungen für PV-Projekte in der Türkei deutlich verbessert: „Anlagenbetreiber erhalten einen festen Basistarif von 13,3 US-Cent pro kWh. Dieser kann um bis zu 6,7 US-Cent pro kWh steigen, wenn ein bestimmter Anteil der Anlagen aus türkischer Produktion stammt (‚Local Content‘). Darüber hinaus garantiert der Staat die Abnahme regenerativ erzeugter Energie.“ Bis 2023, so heißt es weiter, sollen in der Türkei 30 Prozent der erzeugten Energie aus regenerativen Energiequellen stammen. Die wesentlichen Kapazitäten sollen hierzu im Bereich Wind- und Solarenergie errichtet werden (in Konya soll ein neues Zentrum für Solarenergie entstehen – mehr hier).

Eine Richtung, die sich auch in aktuellen Äußerungen türkischer Politiker wiederfinden lässt. Denn in Anbetracht des anhaltenden Wirtschaftswachstums der Türkei haben nun auch sie im Einklang mit der „Europa 2020“ -Strategie, die die Europäische Union in ein grünere, intelligentere, nachhaltigere und integrativere Wirtschaft verwandeln soll, eine umweltfreundliche wirtschaftliche Entwicklung zur neuen Priorität erhoben. Wie der türkische EU-Minister Egemen Bağış bereits Mitte Juli dieses Jahres bekannt gab, würden keine Kosten gescheut und die Türkei alle notwendigen Schritte unternehme, um ihre Wirtschaft in eine nachhaltige und umweltfreundlichen Ökonomie zu verwandeln. Und an einigen Stellen wurde dieser Weg offenbar bereits eingeschlagen: Denn im Rahmen der Förderung von Investitionen in Umweltprojekte hat die Türkei seit 2007 rund 4,9 Milliarden Euro der knapp zehn Milliarden Euro des europäischen Fonds für Umweltprojekte der EU-Kandidaten erhalten (seit der Kindheit des Ministers habe die Türkei riesige Fortschritte gemacht – mehr hier).

Erneuerbare Energien: Greenpeace-Chef appelliert an die Türkei

Appelle in Richtung Türkei, sich mehr auf Erneuerbaren Energie zu konzentrieren, kamen in der Vergangenheit auch von ranghohen Vertretern internationaler Umweltorganisationen. So empfahl Kumi Naidoo, internationaler Direktor der Umweltorganisation Greenpeace, schon im März 2011 bei seiner Türkei-Visite hiesigen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, dass ihr strategisch günstig gelegenes Heimatland ein Exempel statuieren und statt in Atomenergie, Öl und Kohle, lieber in Solar- und Windkraft investieren sollte. Seine größte Sorge galt während seines Besuches dem Thema Nuklear-Energie in der Türkei. Der Umstand, dass man dem umstrittenen russischen Staatsunternehmen “Rusatom” (diese wollen weitere Akws in der Türkei bauen – mehr hier) erlaube, ein Atomkraftwerk in Akkuyu, einer wunderschönen Bucht in Mersin in der türkischen Mittelmeerregion, übrigens einem Erdbebengebiet, zu bauen, sei nicht gerade klug. Sein Appell: “Nehmt Abstand von diesem Wahnsinn und investiert nicht in Atomkraft.” (er ist der Ansicht, dass die Türkei durchaus über andere Möglichkeiten verfüge – mehr hier)

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