Patentanmeldungen: Türken schützen ihre Erfindungen zu wenig

Ausländische Firmen in der Türkei sind schnell, wenn es um den Schutz ihrer eigenen Marken und Produkte geht - viel schneller als heimische Unternehmen. Letzteren fehlt offenbar noch immer das Bewusstsein für eine adäquate Absicherung ihrer Erzeugnisse in der Türkei als auch international. Das geht aus Daten des türkischen Patentamtes hervor.

Ganz vorne in Sachen Patenten in der Türkei liegen nach Angaben des Acar Patent Berichts die deutschen Unternehmen. Durch sie erfolgen nicht nur die meisten Patentanmeldungen, sondern sie können mittlerweile auch auf 980 erteilte Patente blicken. Auf Position zwei folgen ihnen die US-Amerikaner, die derzeit über 560 erteilte Patente verfügen. Erst dann folgt die Türkei mit 462 erteilten Patenten.

„Patentschutz zeigt den Grad der Entwicklung eines Landes“, erläutert Acar Patent General Coordinator Rüştü Gümüş die eigentliche Bedeutung dieser Zahlen. Der Fachmann rät eindringlich, dass türkische Unternehmen ihre Innovationen und Erfindungen mit Patenten schützen lassen sollten. Nur so seien sie in der Lage  sowohl auf dem nationalen als auch auf internationalen Märkten zu konkurrieren (die neuesten Technologien finden in der Türkei immer schnell Anwendung – mehr hier).

Türkische Regierung: 50.000 Patente bis 2023

Dass sich hier insgesamt etwas tut, das zeigen die Zahlen des türkischen Patentamtes allerdings ebenfalls. Waren es im ersten Halbjahr 2011 4800 Anmeldungen türkischer Investoren, kommen sie 2012 im gleichen Zeitraum bereits auf  5,700. Doch vom Ziel der türkischen Regierung im Jahr 2023 50.000 heimische Patente registriert zu haben, ist man ebenso noch meilenweit entfernt wie von den Vorgaben, die aus den USA und Europa kommen. Nach Informationen von Adres Patent habe das US-amerikanische Patentamt im Jahr 2011 900.000 Patente registriert. Man schätzt, dass die „Türkei ganze 158 Jahre hinter den USA“ und 55 Jahre hinter Südkorea hinsichtlich des Schutzes geistigen Eigentums und ihrer Patentanmeldungen liege (darüber hinaus bräuchte das „Made in Turkey“-Image dringend eine Kurskorrektur – mehr hier).

Besorgniserregend erscheint allerdings nicht nur dieser Umstand: Vielmehr wirke es so, als ob sich türkische Unternehmer noch immer nicht im Klaren darüber wären, wie wichtig solche Patentanmeldungen tatsächlich seien – gerade auch im Ausland, warnt der Acar Patent Bericht weiter. Während sich die Zahl der inländischen Patente zwar erhöhe, sei die Zahl der Patentanmeldungen im Ausland nach wie vor viel zu niedrig. Nur etwa 28 Prozent der eingereichten Patente im ersten Halbjahr 2012 wären international ausgerichtet, nur 63 Prozent würden für Europa gelten. Ihr Fazit lautet: Türkische Unternehmen kümmern sich viel zu wenig um den Schutz ihrer Errungenschaften (erst im März gab es einen grünen Oscar für innovatives Dosen-Recycling – mehr hier).

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