Getrübte Hochzeitsfreuden rechtzeitig vermeiden

Türkische Hochzeiten sind ganz besondere Anlässe und werden auch meist im großen Stil mit hundert oder mehr Gästen gefeiert. Doch wer denkt bei so einem freudigen Anlass schon an Ordnungswidrigkeiten oder Bußgelder?

Das Brautpaar ist kaum getraut, schon machen sich die Gäste im Auto hupend auf den Weg zum Veranstaltungsort, wo weiter gefeiert, gegessen und getanzt wird. Doch jede einzelne Station auf einer Hochzeitsfeier birgt auch rechtliche Stolperfallen. Lesen Sie nachfolgend, wie Sie diese vermeiden.

Auto-Korso – trotz Hochzeit eine Ordnungswidrigkeit

Üblicherweise wird das Hochzeitsauto von den mit Schleifen und Ballons geschmückten Fahrzeugen der Hochzeitsgäste begleitet. Natürlich mit Warnblinkanlage und lautem Hupen. Diese Tradition stellt für sich betrachtet schon eine Ordnungswidrigkeit dar, die ein Bußgeld von bis zu 20 Euro einbringen kann.

In der Regel drückt die Polizei in Anbetracht des Anlasses ein Auge zu, dennoch gilt: Alle Verkehrsregeln sind zu beachten! Wer rote Ampeln überfährt, riskiert eine Geldbuße von 500 Euro und ein Fahrverbot. Passiert dann noch ein Unfall, droht sofort ein Strafverfahren. Bei aller Feierstimmung sollte man daher bedenken, dass jede Teilnahme am Straßenverkehr Vorsicht und Rücksichtnahme erfordert.

GEMA-Gebühren für die Musik?

Natürlich wird auf jeder türkischen Hochzeitsfeier Musik gespielt – live oder vom CD-Player. Ärgerlich, wenn danach plötzlich ein Gebührenbescheid von der GEMA ins Haus flattert. Doch ist tatsächlich eine Gebühr für die musikalische Untermalung der Feier zu zahlen? GEMA-Gebühren werden immer dann fällig, wenn Musik auf einer öffentlichen Veranstaltung wiedergegeben wird. Die Frage lautet daher: Ist eine türkische Hochzeit eine öffentliche Feier? Öffentlich ist eine Feier dann, wenn sie für eine Mehrzahl von Personen bestimmt ist – mehrere hundert Gäste sind bei türkischen Hochzeiten keine Seltenheit. Ausschlaggebend ist aber, ob der Personenkreis eine innerlich miteinander verbundene Gruppe ist, die durch wechselseitige persönliche Beziehungen einen nach außen individuell abgegrenzten Personenkreis bildet. Im Klartext heißt das: Nur wenn der Veranstalter – also das Brautpaar – alle anwesenden Personen kennt, ist die Feier nicht öffentlich und eine GEMA-Gebühr fällt nicht an. Sind wirklich sehr viele Gäste geladen, empfiehlt sich daher eine Einlasskontrolle, damit auch tatsächlich keine Fremden mitfeiern. Schon ein einziger Gast ohne enge persönliche Beziehung zum Brautpaar begründet die GEMA-Pflicht. Merke: Hochzeiten sind grundsätzlich meldepflichtig, wenn Öffentlichkeit gegeben ist. Anmeldeformulare stellt die zuständige Bezirksdirektion der GEMA zur Verfügung. Wird eine Veranstaltung trotz GEMA-Pflicht nicht angemeldet, wird ein Zuschlag von 100 % des normalen Rechnungsbetrages erhoben.

Ruhestörung – wann droht ein Bußgeld?

Wo gefeiert wird, ist es laut. Dennoch muss die Nachtruhe in der Zeit zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens eingehalten werden, ebenso an Sonn- und Feiertagen. Wer dagegen verstößt, muss damit rechnen, dass Nachbarn die Polizei rufen und diese die Ruhestörung ahnden. Schlimmstenfalls droht ein hohes Bußgeld und die Musikanlage kann beschlagnahmt werden. In jedem Fall sollte man alle Nachbarn im Vorfeld einer Feier informieren und um Verständnis bitten und die Musik vorsorglich gegen 22 Uhr etwas leiser stellen. Wichtig ist ebenfalls, die eigenen Gäste trotz ausgelassener Stimmung davon abzuhalten, zu lautstark zu werden.

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