Unruhen in Pakistan: Stromausfälle bis zu 22 Stunden am Tag

Indien hat vielleicht den größten Stromausfall der Welt zu bieten, das Nachbarland Pakistan hat dagegen seit Jahren mit einer Energiekrise zu kämpfen, die auf Ignoranz und Missmanagement zurückzuführen ist. Die Krise führt zu breiten Protesten, bei denen Anfang des Monats Büros von Parlamentariern in Brand gesetzt wurden.

Ein beispielloser Stromausfall in der vergangenen Woche legte Indien für zwei Tage lahm. Als gleich drei Versorgungsnetze zusammenbrachen, hatten mehr als 600 Millionen Menschen darunter zu leiden.

In Pakistan sind Stromausfälle Alltag, verursacht durch versäumte Investitionen in die Infrastruktur. Kurzfristige Ausgaben wurden Langzeitinvestitionen vorgezogen. Alles in einem fehlt es an Führung. Vetternwirtschaft und Korruption gibt es dafür im Überfluss.

Der neue Premierminister versprach sich diesem Thema anzunehmen und den Zuständen ein Ende zu setzten. Doch nur sechs Wochen nach seinem Amtsantritt hat die Anzahl der Stromausfälle ein neues Hoch erreicht. Berichten zufolge beträgt die Dauer in ländlichen Gegenden bis zweiundzwanzig Stunden am Tag und in der Stadt bis zu sechzehn. Es ist nicht absehbar wann sich diese Verhältnisse ändern werden.

Besonders in diesem Monat stellen die Stromausfälle eine große Belastung dar. Denn derzeit verzichten Muslime vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang auf Essen und Trinken und das bei Temperaturen von bis zu 50 Grad.

Im Sommer liegt der Höchstverbrauch an Strom bei 18 000 MW. Ein Drittel davon wird nur für Klimaanlagen verwendet. Die Energiekonzerne schaffen es hingegen geradeso einen Bedarf von 13 000 MW- 14 000 MW zu decken.

Alle paar Tage kommt es zu wütenden Protesten oder Unruhen auf den Straßen. Anfang des Monats hatten Protestierende in verschiedenen Städten der reichsten Provinz Pakistans Scheiben eingeschlagen, Autobahnen blockiert und Märkte geschlossen.
Die Demonstrierenden legten Feuer in den Büros einiger Parlamentarier und in einem elektrischen Versorgungsbetrieb. Es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Diese nahm Verhaftungen vor, setzte Tränengas ein und schoss in die Luft.

Die Zentralbank warnte bereits vor den ökonomischen Auswirkungen der Stromkrise. Die Unzuverlässigkeit der Stromnetze könnte das Wirtschaftswachstum hemmen. Angaben der Regierung zufolge sorgten die Stromausfälle für einen Rückgang im Bruttoinlandsprodukt von bis zu vier Prozent. Die Hauptlast trug die Industrie. Den Kern des Problems stellt ein Schuldenkreislauf dar, durch den sich in den Jahren 2011 und 2012 4,4 Milliarden US-Dollar Rückstand anhäuften.

Dadurch, dass die Regierung die Strompreise zu niedrig ansetzte und die Kunden trotzdem nicht bezahlen, kann der staatliche Versorgungsbetrieb nicht die privaten Stromunternehmen bezahlen, welche wiederum nicht in der Lage sind, die Öl- und Gaslieferanten zu bedienen, die daraufhin die Zufuhr einstellen.

„Diese Krise ist durch Missmanagement entstanden. Sie basiert auf Unentschiedenheit und Prokrastination. Die richtigen Entscheidungen wurden nicht im richtigen Moment getroffen“, so Shahid Sattar, Mitglied der Energiekommission. Für Sattar stellt Pervez Musharrafs Militärherrschaft von 2001 bis 2008 den Beginn der Krise dar. Damals hätten auf den massiven Anstieg der Energienachfrage nicht die entsprechenden Investitionen in neue Stromkraftwerke erfolgt.

Jetzt liegt es am neuen Premierminister Raja Pervez Ashraf dieses Problem zu lösen. Doch auch er wird mit Korruptionsvorwürfen aus seiner Zeit als Wasser- und Energieminister belastet.

Nach einem 127 Millionen schweren Rettungspaket Mitte Juli konnte ein deutlicher Rückgang an Stromausfällen verzeichnet werden. Doch das Geld wurde offenbar nicht in nachhaltige Maßnahmen investiert, denn schon kurze Zeit später war alles so schlimm wie vorher.

Die Opposition bemüht sich das zunutze zu machen. So unterstützt auch Shahbaz Sharif, Minister der Region Punjab und Mitglied der Pakistan Muslim League-N (PML-N), die Proteste und verkündet lautstark seine Region sei besonders stark von den negativen Auswirkungen betroffen.

Doch auch wenn er sich arbeitend, in einem drückend heißen Zelt aus Solidarität mit dem Volk fotografieren lässt, wird die Konkurrenz zu der pakistanischen Volkspartei (PPP) wenig Raum für Kooperation zulassen. Selbst wenn es eine ernsthafte nationale Krise weiter verschlimmert.

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