Nur für Frauen! Abgetrennter Strand sorgt für Zündstoff am Marmarameer

Ein eigener Abschnitt nur für Frauen? Das Vorhaben einer türkischen Stadt in der Provinz Kocaeli am Marmarameer, den öffentlichen Strand abzuteilen, stößt bei den Anwohnern nicht gerade auf Begeisterung. Sie fürchten: Eine Trennung würde den Blick auf die Küste stören.

Erst vor kurzem, so heißt es in den türkischen Medien, hätte die Kommunalverwaltung von Kocaeli bekannt gegeben, dass die Anwohner nach eingehenden Reinigungsmaßnahmen, die das Wasser von industrieller und häuslicher Verschmutzung befreien sollten, wieder sicher baden gehen könnten.

Dann, nur wenige Tage später, hätte die Gemeinde allerdings hölzerne Sichtschutzbauten am Strand von Ereğli aufgestellt, um so einen Abschnitt abzutrennen und einen eigenen, nur für Frauen zugänglichen Bereich zu schaffen. Ein Vorhaben, das nun auf Unmut in der Bevölkerung stößt. Denn: Der Sichtschutz wurde auf einer bereits bestehenden Mauer errichtet, der nun weit über den Strand hinausragt (in Alanya setzt man zudem auf Kameraüberwachung, um die Gäste zu schützen – mehr hier).

„Frauen, die sich bedecken wollen, können genauso gut am öffentlichen Strand schwimmen gehen. Wir wollen keine solche Struktur, die das Ufer förmlich abriegelt“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet einen verärgerten Anwohner. Diejenigen, die direkt hinter den neuen Aufbauten wohnen würden, hätten in Folge dessen für eine Unterbrechung der Bauarbeiten gesorgt. Während die Zahl der Gegner in Karamürsel derweil zunähme, hätten sich auf der anderen Seite sogar Frauen formiert, die sich zwar selbst verhüllen, aber solche Maßnahmen ebenfalls für gänzlich überzogen halten.

Eigener Frauenabschnitt auf Grund vermehrter Nachfrage

Doch genau hier liegt der Hase sprichwörtlich im Pfeffer: Denn als Grund für die Abtrennung eines Strandabschnittes führt die Gemeindeverwaltung an, zahlreiche Anfragen von verhüllten wie nicht-verhüllten Frauen erhalten zu haben. Man habe mit großer Verantwortung gearbeitet, heißt es in einer entsprechenden Erklärung, und das Areal von 50 Tonnen Müll und 120 Tonnen Schutt befreit, um es letztlich in einen Strand zu verwandeln. Darüber hinaus sei eine Kampagne zur Abfallwirtschaft, Oberflächen-und Bodenreinigung gestartet worden. An 47 verschiedenen Orten gäbe es nun Bademöglichkeiten. Frauen, die sich nicht an einem gemischten Strand zeigen möchten, hätten einen Antrag für einen speziellen Bereich gestellt und dieser Bitte sei man sehr gerne nachgekommen (das sind die schönsten Strände in der Türkei – mehr hier). Erst im vergangenen Monat hatte der Strand von Karamürsel die so genannte Blaue Flagge erhalten, die eine entsprechende Wasserqualität für den Badebetrieb bescheinigt.

Obschon sich am Marmarameer Widerstand regt, liegt die Gemeinde mit ihrer Maßnahme jedoch voll im Trend. Immerhin ist auch die Nachfrage nach islamischen Hotels in den letzten fünf Jahren um satte 200 Prozent gestiegen. Türkische Branchen-Fachleute rechnen künftig sogar mit einem weiteren Anstieg. Denn in diesen Häusern können die Gäste ihren Urlaub nach den strengen Regeln des orthodoxen Islam verleben. Die Frauen haben einen eigenen Komplex – selbstverständlich mit eigener Poolanlage und zahlreichen attraktiven Freizeitangeboten.

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