Christine Lüders: „Jeder Fall von Diskriminierung ist einer zu viel“

Unsere Gesellschaft müsse lernen, mit Benachteiligung so umzugehen, dass es zu dieser gar nicht erst komme, erklärt Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Und das „ganz abgesehen davon, ob es laut Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz möglich ist, rechtlich dagegen vorzugehen oder nicht“. Mit den Deutsch Türkischen Nachrichten spricht sie über den Wunsch nach gemeinsamen Festen, unverständliche Klischees in den Köpfen der Menschen und den Mut von Arbeitnehmern, die sich trauen, ihr Recht vor Gericht zu erstreiten.

Außerdem war die Hälfte der Partner so begeistert von den Ergebnissen, dass sie weitermachen. Wir haben mittlerweile unzählige Anfragen von Unternehmen und Verwaltungen, die ihr Verfahren umstellen wollen. Einige Teilnehmer des Pilotprojekts haben uns aber gesagt: Wir haben bereits sehr viele Maßnahmen zur Förderung etwa von Menschen mit Migrationshintergrund, da lohnt sich die Umstellung nicht. Ich habe dafür volles Verständnis, weiß aber auch, dass die allermeisten Unternehmen in Deutschland solche Maßnahmen eben nicht haben – vor allem kleine Firmen. Deshalb ist es gut, dass die Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen nun eigene Pilotprojekte starten und hier vor allem auf kleine und mittelständische Unternehmen setzen. Wir haben einen Stein ins Rollen gebracht – genau das ist im Übrigen unsere Aufgabe.

Deutsch Türkische Nachrichten: Selbst in der Türkei sind mehr Frauen in Führungspositionen beschäftigt als in Deutschland, obwohl es statistisch viel weniger erwerbstätige Frauen insgesamt gibt. Warum ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen trotz des viel fortschrittlicheren Denkens in Bezug auf Gleichberechtigung in Deutschland immer noch so gering?

Christine Lüders: Das müssen sie die Unternehmen fragen. Trotz vieler Lippenbekenntnisse tun sie nach wie vor viel zu wenig, um Frauen in Führungspositionen zu bringen. Alle Selbstverpflichtungen sind aus meiner Sicht gescheitert. Ich halte deshalb eine Frauenquote für zwingend, mindestens 40 Prozent der Positionen in Vorständen und Aufsichtsräten sollten mit Frauen besetzt werden. Da, wo Menschen so extrem unterrepräsentiert sind, sollte der Gesetzgeber eingreifen. Das AGG sieht ganz ausdrücklich positive Maßnahmen vor, um Benachteiligung etwa von Frauen zu verhindern. Von der Quote profitieren auch die Unternehmen. Gemischte Teams sind nachweislich erfolgreicher.

Hier geht es zur Beratungsstelle der Antidiskriminiungsstelle

Das Interview führte Merve Durmus

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