Massenentführung im Libanon: Türkei setzt alle diplomatischen Hebel in Bewegung

Ein shiitischer Clan aus dem Libanon hat am vergangenen Mittwoch mehr als 20 Personen entführt. Unter den Geiseln befindet sich auch ein türkischer Staatsbürger. Die Türkei hat angekündigt, alle diplomatischen Hebel in Bewegung zu setzen, um eine Freilassung zu erwirken. Derweil haben die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar ihre Landsleute aufgefordert den Libanon zu verlassen.

Unter den Entführungsopfern des libanesischen Clans befinden sich neben einem Türken auch ein Saudi und mehrere syrische Staatsbürger. Die Aktion soll ein Vergeltungsschlag für die Festnahme eines Stammesangehörigen in der syrischen Hauptstadt Damaskus sein. Der Vorfall selbst ereignete sich in einem durch die Hisbollah kontrollierten Gebiet. Ein Umstand, der nun ein erneutes Übergreifen der sektiererischen Gewalt in Syrien auf den Libanon schürt und schmerzliche Erinnerungen an die Vergangenheit wieder hervorholt. Immerhin: Auch im Libanon tobte von 1975 bis 1990, also ganze 15 Jahre lang, ein zermürbender Bürgerkrieg (derzeit nimmt das Land, ebenso wie die Türkei, unzählige syrische Flüchtlinge auf – mehr hier).

Saudi Arabien rät Bürgern den Libanon zu verlassen

Mittlerweile hat auch das türkische Außenministerium in einer Erklärung bestätigt, dass es sich bei dem türkischen Entführten um Aydın Tufan Tekin handelt. Sowohl das Ministerium als auch die Botschaft in Beirut würden intensiv an der Freilassung des türkischen Staatsbürgers arbeiten. Auch Saudi Arabien hat auf die Massenentführung und wieder aufflammenden Unruhen reagiert. In Anbetracht der ausgesprochenen Drohung, weitere Bürger aus Ländern zu entführen, die den Aufstand gegen den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad unterstützen, rät man seinen Bürgern nun dringend dazu den Libanon zu verlassen. Dieser Empfehlung schlossen sich die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar an (der Libanon steht während seiner Auslandsreise auch auf der Agenda des französischen Außenministers Laurent Fabius – mehr hier).

Auch die Entführer selbst haben sich unterdessen zu Wort gemeldet. Mitglieder des Meqdad-Clans, einer mächtigen schiitischen libanesischen Familie, erklärten, die Aktion sei ihre Rache für die Festnahme von Hassan al-Meqdad durch die Freie Syrische Armee vor zwei Tagen. Sie gaben an, dass sich unter ihren Geiseln ein türkischer Geschäftsmann, ein Saudi und mehrere syrische Oppositionskämpfer befänden. Gegenüber der libanesischen staatlichen Nachrichtenagentur wies Hassan al-Meqdads Bruder Hatem darauf hin, dass der „Schneeball weiter wachsen“ würde und warnte „Katar, Saudi-Arabien und die Türkei und ihre Bürger“. Sie alle unterstützen mit Nachdruck die hauptsächlich sunnitischen Kämpfer der syrischen Opposition.

Libanesischer Bürgerkrieg: Entführungen an der Tagesordnung

Das Bild von maskierten bewaffneten Männern, die auf den Straßen umherlaufen und Menschen massenhaft entführen, weckt schmerzliche Erinnerungen an Libanons Bürgerkrieg, als das Land von der sunnitischen, schiitischen, christlichen und drusischen Milizen aufgeteilt wurde und der erst vor etwas mehr als 20 Jahren zu Ende gegangen ist. Entführungen gehörten zum festen Bestandteil dieses Konflikts. Einige Geiseln konnten bis heute nicht gefunden werden.

Wie aus türkischen Diplomatenkreisen bekannt wurde, sei der türkische Geschäftsmann, der beruflich im Libanon zu tun hatte, bereits kurz nach seiner Ankunft im Libanon am vergangenen Mittwoch in der Nähe des Flughafens entführt worden. Bisher, so der Informant weiter, gäbe es hinsichtlich einer Freilassung nur wenig Fortschritte. Wie die türkischen Medien berichten, hätte der libanesische Nachrichtensender Al Jadeed Zugang zur türkischen Geisel gehabt. Angeblich hätte er den Reportern versichert, gut behandelt zu werden.

Der libanesische Premier Najib Mikati verurteilte die Entführung scharf. Ein solches Vorgehen sei absolut „inakzeptabel“. Entführungen seien kein geeigneter Weg einen eigenen Bürger aus Syrien freizubekommen. Vielmehr treibe eine solche Aktion das Land wieder in Zeiten zurück, die man eigentlich weit hinter sich lassen wollte.

Entführung im Mai löste ebenfalls Unruhen in Beirut aus

Erst im vergangenen Mai wurden in Syrien 13 schiitische Pilger von Deserteuren entführt. Die Gruppe befand sich auf der Rückreise aus dem Iran. Die Entführung ereignete sich kurz hinter der türkischen Grenze. Dort wurden sie von bewaffneten Männern gestoppt. Im Zuge dessen versammelten sich Tausende Menschen, darunter auch Angehörige der Entführten, zu Protesten in einem schiitischen Vorort von Beirut. Straßensperren wurden errichtet und Autos in Brand gesteckt. Immer wieder war es bereits zu einem Übergriff der Unruhen gekommen. Die Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Anhängern der syrischen Regierung hat auch im Libanon schon mehrere Todesopfer gefordert.

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