Olympia 2020: Zuschlag könnte Milliarden Dollar in die türkische Wirtschaft spülen

Mehr als fünf Milliarden Pfund, oder umgerechnet fast acht Milliarden Dollar, pumpen die Olympischen Sommerspiele bis 2015 an zusätzlicher Wirtschaftsleistung in die britischen Kassen. Ähnliches könnte auch Istanbul erwarten. Vorausgesetzt, die Türkei erhält tatsächlich den Zuschlag für die Austragung im Jahr 2020. Dass der wichtigste sportliche Wettbewerb der Welt in der Tat eine ökonomisch einmalige Chance ist, gilt als unbestritten. Im Fall von Istanbul könnte das Ganze aber dennoch zur Belastungsprobe werden.

Ins Spiel gebracht wurde die Summe in einem Bericht von Visa Europe, der den langfristigen Einfluss der Spiele auf die britische Wirtschaft analysiert und so eine, wenn auch vage Prognose für Spiele in Istanbul erlaubt. Immerhin: Laut Berna Ülman, Regionalmanagerin bei Visa Europe, habe die Türkei derzeit so gute Chancen wie nie, den Zuschlag für das sportliche Mega-Ereignis in Istanbul zu erhalten. Bereits vier Mal seit 1992 hat es die Metropole am Bosporus bereits erfolglos versucht. Jetzt, so die Ansicht der Fachfrau gegenüber der türkischen Zeitung „Sabah“, ist die Lage eine andere.

Istanbul gehört zu den Top 3 der Olympia Favoriten

Mit ihrer Einschätzung ist sie übrigens nicht allein: Auch Uğur Erdener, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees der Türkei (TMOK), glaubt, dass Istanbuls Chancen auf einen Zuschlag für 2020 hervorragend sind. In einem Interview mit der türkischen Zeitung „Hürriyet“ Mitte Juni dieses Jahres stellte Erdener heraus, dass sich die Millionenstadt nach vier gescheiterten Anläufen nun besonders ins Zeug legen werde, um das Ziel Olympia zu erreichen (die Spiele würden das Gesicht der Stadt dramatisch verändern – mehr hier).

Ähnlich positiv war die Stimmung bereits im vergangenen Jahr. Klaus Schormann, seit 1993 Weltpräsident des Dachverbands aller nationalen Sportverbände (UIPM) und Mitglied der IOC-Kulturkommission, erklärte schon im Sommer 2011, dass jetzt die beste Zeit für eine Kandidatur Istanbuls für die Olympischen Sommerspiele im Jahr 2020 sei. „Die Chancen waren noch nie so groß wie heute“, so der Fachmann damals. Die Metropole zeige seiner Meinung nach absoluten Willen und hätte auch einiges getan. Die größten Probleme wie etwa Verkehr, Unterkünfte und Sicherheit hätte die Stadt im Griff. Er appellierte an das türkische Selbstbewusstsein und forderte: „Vergesst die Vergangenheit und denkt positiv“. (um die Herausforderung zu bewältigen solle Istanbul zudem auf eigene Fachleute setzen – mehr hier).

Rogge und Platini mahnen die Türkei zur Vorsicht

Einen Teilerfolg hat die Millionenstadt mittlerweile erringen können. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass die City am Bosporus zu den Top-Favoriten gehört und aktuell nur noch mit Tokio und Madrid konkurrieren muss, nachdem Doha und Baku ausgeschieden sind. Noch ist allerdings alles offen. Erst am 7. September 2013 fällt die endgültige Entscheidung, wer die wohl wichtigsten Wettkämpfe der Welt im Jahr 2020 austragen darf (Rom hatte bereits im Februar aufgegeben – mehr hier). Ob es im Fall der Fälle tatsächlich Milliarden Dollar für die türkische Wirtschaft werden, das bleibt zwar offen. Doch der Zustrom während der Spiele wäre in der Tat enorm: So rechnen türkische Medien derzeit mit etwa 6.000 Athleten, 4.000 technischen Mitarbeitern und 20.000 Journalisten sowie last but not least 70.000 Freiwilligen, die in acht Jahren den Weg nach Istanbul finden könnten.

Sonnige Zukunftsaussichten, könnte man meinen. Allerdings steht im gleichen Jahr auch die Fußball-Europameisterschaft ins Haus. Und die soll am besten ebenfalls in der Türkei ausgetragen werden (der türkische Jugend und Sport Minister Suat Kılıç ist überzeugt, dass die Türkei beides stemmen kann – mehr hier). Derlei Ambitionen werden jedoch durchaus kritisch betrachtet. Entweder entscheidet sich die Türkei für die Olympischen Spiele 2020 oder aber für die EM 2020. Beides auf einmal, das geht nicht, signalisierte IOC-Präsident Jacques Rogge erst im vergangenen Mai in einem Interview mit der AFP. Zwei sportliche Ereignisse dieser Größe, das sei für die Türkei auf gar keinen Fall machbar. Sie könne, so der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), nur eine Bewerbung verfolgen: Entweder die für die Olympischen Spiele 2020 oder die Fußball-Europameisterschaft im gleichen Jahr (der IOC drängt auf die Niederlegung der EM-Bewerbung – mehr hier).

Mit seiner Ansicht schließt er sich übrigens den zuvor geäußerten Bedenken von UEFA-Präsident Michel Platini an. Der hatte zugesagt, für die Türkei zu stimmen. Tatsächlich umsetzen könne er das aber nur, wenn das Land die Olympischen Spiele ad acta lege (Die endgültige Entscheidung über den Austragungsort der EM wird 2014 erfolgen. Zuvor wird 2013 über die Olympiade entschieden – mehr hier).

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