Trotz internationaler Sanktionen: Türkei versorgt Iran mit Stahl

Die Türkei ist eines der wenigen Länder, dessen Banken - trotz internationaler Sanktionen gegen den Iran - zumindest eingeschränkte Finanzgeschäfte mit dem Nachbarland betreiben. Im Zuge dessen ist die Türkei derzeit auch der Hauptstahllieferant für den Iran und profitiert enorm.

Die Türkei kann derzeit als eines der wenigen Länder Stahl an den Iran verkaufen. Die türkische Halkbank setzt sich dabei offenbar über die Sanktionen hinweg. (Foto:flickr/RICarr)

Die Türkei kann derzeit als eines der wenigen Länder Stahl an den Iran verkaufen. Die türkische Halkbank setzt sich dabei offenbar über die Sanktionen hinweg. (Foto:flickr/RICarr)

Die politischen Verhältnisse zwischen dem Iran und der Türkei sind angespannt. Während die türkische Regierung die Opposition in Syrien unterstützt, hält Ahmedinedschad als treuer Verbündeter zu Assad. Wirtschaftlich werden die Beziehungen jedoch weiterhin aufrecht erhalten. Die Türkei ist der größte Gold-Importeur für den Iran (der Iran soll Gold als Zahlungsmittel verwenden – mehr hier). Infolge der Sanktionen ging der Stahlimport zunächst zurück. Händlern zufolge funktioniert das Geschäft mit Stahl jedoch wieder immer besser, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. „Türkische Fabriken, hauptsächlich aus der Region Iskenderun, haben ziemlich viel verkauft und das zu einem sehr guten Preis, weil im Iran ein Mangel herrscht und der Iran auch nicht anders dafür zahlen kann“, erzählt ein türkischer Händler.

Der Export von Stahl für Konstruktionen in den Iran stieg dem International Steel Statistics Bureau (ISSB) zufolge von 4.300 Tonnen im März auf 15.500 Tonnen im Wert von zehn Millionen Dollar im Mai. Vor allem in den vergangenen Wochen sei der Stahlexport in den Iran stark gestiegen. Die Türkei hat sich mit dem sicheren Abnehmer einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber Produzenten in Russland, der Ukraine und anderen verschafft und profitiert in hohem Maß.

„Die Türkei hat nun ein Monopol“

Die Frei-Schiff-Preise für türkischen Stahl sind allein in den vergangenen zwei Wochen um 25 Dollar auf 575 Dollar pro Tonne gestiegen. Mit dem Iran hat die Türkei ihren Abnehmer jedoch sicher. Dabei hatten die Hauptstahlproduzenten, die Türkei, Russland, die Ukraine und Europa ihre Geschäfte mit dem Iran eigentlich minimiert. Die türkische Halkbank akzeptiere nun aber wieder Kreditscheine iranischer Käufer (die Halkbank hatte die Sanktionen von Beginn an nicht richtig umgesetzt – mehr hier). „Die Türkei hat nun ein Monopol“, sagt ein Stahlhändler in Großbritannien Reuters. Die Halkbank nehme hohe Geldbußen für den Handel mit dem Iran in Kauf.

Zudem kann die Türkei billigen Stahl aus anderen Ländern kaufen und diesen teuer an den Iran verkaufen, weil dieser ohnehin auf die türkischen Händler angewiesen ist. „Das ist der Grund, aus dem die Türkei allein Geschäfte macht. Wir können dem Iran einen guten Preis anbieten, aber nicht direkt verkaufen. Es ist schwierig“, so die Sicht eines russischen Händlers. Der ISSB gibt ihm Recht. Im vergangenen Oktober haben Russland und die Ukraine noch knapp 60.000 Tonnen Stahl an den Iran verkauft, jetzt ist diese Zahl gleich null. Europäischen Händlern geht es ähnlich. Während hier Banken bis vor kurzem noch eingeschränkt Geschäfte tätigen konnten, wurden diese nun weiter eingeschränkt, um die eigenen Finanzinstitute nicht zu gefährden.

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