Humanitäre Katastrophe: Türkei verteilt Lebensmittel an der syrischen Grenze

Die Türkei hat damit begonnen, Lebensmittel und andere Hilfsgüter entlang der türkisch-syrischen Grenzen auszugeben. Auf Grund des immer schärfer werdenden Konflikts im Nachbarland werde die Verteilung von Hilfslieferungen zunehmend schwieriger, so die türkische Katastrophenschutzbehörde (AFAD) am vergangenen Wochenende.

Die Verteilung von Hilfsgütern entlang der türkisch-syrischen Grenze geht direkt einher mit einer rasanten Zunahme von syrischen Flüchtlingen, die seit Beginn der Unruhen vor 17 Monaten und insbesondere in den letzten Tagen Zuflucht in der Türkei gesucht haben. Mittlerweile liegt deren Zahl, türkischen Medien zufolge, bei insgesamt gut 70.000. Diese Massen zu versorgen, stellt auch die Türkei vor immense Herausforderungen (erst in den vergangenen Tagen gab es Berichte über Engpässe in der Gesundheitsversorgung – mehr hier)

Hilfsorganisationen beschreiben die Situation in Syrien mittlerweile als desolat. Die immer heftiger werdenden Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Oppositionellen schneide die Bürgerinnen und Bürger des Landes von der Nahrungsmittelversorgung, medizinischer Hilfe und sonstigen Diensten ab. Die Türkei hat nun auf die sich verschärfenden Bedingungen reagiert. In einer Erklärung hat die türkische Katastrophenschutzbehörde (AFAD) bekannt gegeben: „Die Verteilung von humanitärer Hilfe direkt an der Grenze zu Syrien durch unser Land hat begonnen.“

Türkischer Roter Halbmond richtet vier Stützpunkte ein

Die Vereinten Nationen, so heißt es von Seiten der Behörde weiter, seien über das neue Vorgehen bereits informiert. In der südosttürkischen Stadt Gaziantep sei ein neues Zentrum eingerichtet worden, wo man internationale Hilfsgüter in Empfang nehmen könne. Am dringendsten benötigt würden derzeit vor allem Konserven und Babynahrung, Bettzeug sowie Hygieneartikel. Ebenfalls aktiv geworden ist der türkische Rote Halbmond. Die Hilfsorganisation hat entlang der türkisch-syrischen Grenze bisher vier Stützpunkte eingerichtet, wo lokale Spenden abgegeben werden können.

Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) befinden sich aktuell mehr als 170.000 syrische Flüchtlinge in den Nachbarländern Irak, Jordanien, Libanon und in der Türkei. Innerhalb Syriens gibt es derzeit gut 1,2 Millionen Heimatlose. Viele von ihnen blieben im Augenblick in Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen. Auf Grund verunreinigten Trinkwassers sei laut der Weltgesundheitsorganisation WHO unter den Bewohnern der ländlichen Provinz rund um die syrische Hauptstadt Damaskus mittlerweile eine schwere Diarrhöe ausgebrochen.

Türkei richtet sich auf weitere Flüchtlingsströme ein

Seit Ende Juli dieses Jahres hat sich die Zahl der syrischen Flüchtlinge in der Türkei sprunghaft von 44.000 auf die aktuellen Werte gesteigert. Mit der nach wie vor andauernden Schlacht um das einstige Handelszentrum Aleppo wächst in Ankara die Sorge, dass das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht sein könnte. Der türkische Außenminiser Ahmet Davutoğlu begrüßte am vergangenen Freitag zwar die Ernennung von Lakhdar Brahimi zum neuen Syrien-Sondervermittler, der Ex-Uno-Generalsekretär Kofi Annan ablöst, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass innerhalb des UN-Sicherheitsrats ein Konsens herrschen müsse, damit er nachhaltig erfolgreich sein könne.

Um den andauernden Flüchtlingsstrom zu bewältigen, setzt die Türkei derzeit auch auf den Bau neuer Flüchtlingslager: Zwei entstehen in Gaziantep, eines in Kahramanmaraş und eines in Osmaniye. Im Augenblick verfügt die Türkei über acht Zeltstädte: fünf in Hatay, zwei in Şanlıurfa und eine in Gaziantep. In der Provinz Kilis gibt es darüber hinaus auch ein Plattenbaulager für 12.000 Personen. Laut AFAD würde die Einrichtung der neuen Lager die Gesamtkosten für die syrischen Flüchtlinge auf insgesamt 167 Dollar treiben (zuweilen herrschte Unklarheit über die tatsächliche Höhe der Kosten – mehr hier).

Mehr zum Thema:

Zweite Entführung im Libanon: Türkisches Außenministerium gibt Reisewarnung heraus
OIC Gipfel in Mekka: Organisation für Islamische Zusammenarbeit wirft Syrien hinaus
Anführer der PYD erklärt sich zum Dialog mit der Türkei bereit



Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.