Kutluğ Ataman: Türkischer Filmproduzent lässt sein neuestes Projekt übers Internet finanzieren

Kutluğ Ataman, ein renommierter türkischer Filmemmacher, nutzt „Kickstarter“, um Schwierigkeiten bei der Finanzierung seines jüngsten Filmprojekts zu umgehen. Der ungewöhnliche Weg Atamans könnte zukunftsweisend sein. Denn vielleicht eignet sich diese Gruppenfinanzierung auch für andere türkische Künstler, die sich bisher noch schwer damit tun unter anderem ihre Fans um Geld zu bitten.

Filmproduzent Kutluğ Ataman beschreibt sein neustes Projekt in Ostanatolien. Screenshot via www.kickstarter.com

Wenn „South facing wall“, der neueste Film des renommierten Filmemachers Kutluğ Ataman, nächstes Jahr in die Kinos kommt, werden mindestens 153 einzelne Personen voller Stolz auf das Werk blicken. Der Grund: Sie haben diesen Streifen mitfinanziert.

Mit „Kickstarter“ war es Ataman gelungen, die für sein Projekt benötigten 30.000 US-Dollar zusammenzubekommen. Die US- amerikanische Website ermöglicht es Künstlern, Projekte durch so genanntes „Crowdfunding“, also „Gruppenfinanzierung“, zu realisieren. Die finanzielle Unterstützung kann sich auf lediglich zwei, aber auch auf 2.000 Dollar belaufen, alles auf freiwilliger Basis. Das eingenommene Geld wird eine der Hauptfinanzierungsquellen des Filmes sein und vor allen Dingen für die Produktionsvorbereitungen, wie der Überarbeitung des Skripts, aber auch zum Beispiel für das Produktionsdesign verwendet werden.

Auf „Kickstarter“ (siehe hier), beschreibt Ataman ausführlich in einem fünfminütigen Video, was er mit seinem neuen Film erreichen bzw. übermitteln möchte. „Ich möchte einen Film machen, der vom alltäglichen Leben der Menschen in Ostanatolien handelt. Sie werden nicht wirklich im türkischen Kino repräsentiert“, so Ataman in seinem Video. Außerdem wird ein Überblick über den Film, die Geschichte und die Funktionsweise des Funding gegeben.

Familienwerte aufrütteln und brechen

Der Filmemacher präsentiert die Bewohner der Provinz Erzincan mit einem teilweise lächerlich machenden, aber auch emotionalen Blick. Im Zentrum der Handlung stehen die Frauen. Insgesamt aber auch Menschen, die gefangen sind zwischen stoischen Traditionen und der modernisierenden Dynamik der heutigen Türkei. Ataman strebt an „alte Werte, wie die sogenannten Familienwerte oder -traditionen, aufzurütteln und zu brechen“.

In „South facing Wall“ wird die Geschichte der 27-jährigen Medina erzählt. Auf den ersten Blick stellt sie den Prototyp einer ostanatolischen Frau dar, die sich um die Familie kümmert und auf dem Feld arbeitet. Doch nachdem ihre Gemeinde sie im Stich gelassen hat, erteilt sie ihnen eine Lehre.

Ihre Familie ist eine der ärmsten im Dorf, dennoch möchte Medina ihrem fünfjährigen Sohn Ismail ein Fest zu seiner Beschneidung ermöglichen. Da sie von ihrem Mann, der sich lieber mit einer Prostituierten vergnügt, keine wirkliche Unterstützung erwarten kann, bittet sie die anderen Dorfbewohner um Hilfe. Diese wird ihr jedoch verwehrt. Enttäuscht von ihren Nachbarn gelingt es ihr dennoch die Feierlichkeiten zu veranstalten. In ihrer Verzweiflung und Wut beschließt sie jedoch den anderen einen Streich zu spielen. Nach dem Mahl behauptet sie, sie habe Ismail als Lamm serviert.

Ataman thematisiert Außenseiter und Unterdrückte

Bereits des Öfteren nahm sich Ataman in seinen Filmen den Außenseitern, Unterdrückten oder Unterrepräsentierten an. Aus seiner über zwei Jahrzehnte fortdauernden Filmkarriere kennt er die Probleme und Schwierigkeiten bei der Finanzierung. „Kickstarter“ könnte hier nicht nur für ihn, sondern auch für viele seiner vielleicht weniger bekannten Kollegen eine ernsthafte Alternative darstellen.

Die Spender profitieren nicht nur von dem Wissen etwas beigesteuert zu haben, sondern werden auf Facebook oder Twitter namentlich genannt. Bei größeren Summen bekommt man zum Beispiel ein signiertes Poster oder sogar eine Skype-Sitzung mit dem Filmproduzent. Kutluğ Ataman gilt als renommierter zeitgenössischer Künstler, dessen Werke unter anderem im MoMA New York oder in der Tate Gallery zu sehen sind. Im Jahre 1997 stellte er seine erste Arbeit “kutluğ ataman’s semiha b. Unplugged.” auf der Biennale in Istanbul vor.

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