Kehrtwende in der Krise: Türkische Investoren wollen in griechische Häfen investieren

Griechenlands Wirtschaft ist nach wie vor nicht in der Lage sich zu erholen. Und im Zuge der Sparmaßnahmen wird man um Privatisierungen nicht herum kommen. Türkische Unternehmen haben es besonders auf die griechischen Häfen abgesehen.

Der griechischen Wirtschaft geht es nach wie vor schlecht. In Anbetracht der unumgänglichen Sparmaßnahmen kann die Regierung kaum noch ihre laufenden Kosten decken (Nur noch Gehälter der Beamten und Renten werden bezahlt – mehr hier). Nun sieht sie sich gezwungen, großflächig zu privatisieren.

Im Zuge der beginnenden Privatisierung griechischen Staatseigentums interessieren sich türkische Investoren für einige der Häfen und Hafengelände. Panos Protohsaltis, Chef der Privatisierungsabteilung der griechischen Verwaltungsbehörde, vermutet gegenüber den türkischen Medien, die griechische Regierung werde sie in den nächsten Wochen zum Verkauf freigeben. Der Prozess habe aber laut Protohsaltis noch nicht begonnen, wie er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Anatolia betont.

Türken bekunden Interesse bei Panos Protohsaltis

Vor kurzem hatte das griechische Parlament im Zuge weiterer Sparmaßnahmen großflächige Privatisierungen beschlossen. „Wir werden uns auf die genaue Prozedur in den nächsten Wochen festlegen. Die Regierung hat grünes Licht für den Verkauf gegeben. Dies ist ein bedeutender Schritt“, so der griechische Privatisierungs-Koordinator weiter. „Es hat einige Unternehmen gegeben, die ihr Interesse in Bezug auf griechische Häfen bei meinem letzten Besuch in der Türkei bekundet haben“, verweist der hochrangige Fachmann auf die jüngsten Entwicklungen.

Auch ein türkischer Handelskonzern ruft die Unternehmen in seinem Land auf, an der Privatisierung teilzuhaben. Selim Egeli, Leiter des türkisch-griechischen Wirtschaftsrats, ein Organ des türkischen Ministeriums für Entwicklung und des Verbands für wirtschaftliche Beziehungen der Türkei mit dem Ausland, erklärte: „Es ist der richtige Zeitpunkt, um jetzt in Griechenland zu investieren.“ Aber auch andere internationale Firmen scheinen sich für dafür zu interessieren, so zum Beispiel eine russische, eine französische und eine britisch-russische Firma.

Erst im Mai gelang es Hellenic Duty Free, einem Jointventure aus dem türkischen Konzern Setur Marinas und der griechische Follie Group die Operationsrechte für Lesbos zu bekommen. Die Insel Lesbos ist nur anderthalb Stunden mit dem Boot vom türkischen Touristenort Ayvalık an der ägäischen Küste, entfernt.

Türkische Firmen in Beobachtungsstellung

Auch das Unternehmen Global Yatırım Holding wird an den Ausschreibungen aller Häfen, abgesehen von denen in Athen und Thessalonica, teilnehmen. Die Firma wird vielleicht sogar die eigenen Ressourcen angehen, welche sich Ende des letzten Jahres auf 674.9 Millionen türkische Lira beliefen, gibt das Aufsichtsrats-Mitglied Adnan Nas bekannt. Möglicherweise wollen sie sich zusammen mit einem griechischen Partner um die 23 in Frage kommenden Häfen bemühen. „Momentan beobachten wir den Prozess.“, berichtet Nas. Von der Protestwelle in Griechenland gegen die drohende Privatisierung etwa von der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE), lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen. Die Situation würde sich bald entschärfen, denn „heute sind die Griechen viel wütender auf die Europäer als auf uns. Allerdings wäre es dennoch taktisch klüger symbolisch einen lokalen Partner an unsere Seite zu haben.“

Der griechische Premierminister Andonis Samaras betonte erst im vergangenen Juli die Absicht Griechenlands das ägäische Meer zu einer ökonomischen Sonderzone zu erklären. Der Verkauf von Schienennetzen und und Energienetzwerken habe hierbei Priorität (die Krise in Griechenland hat allerdings keine Senkung der Korruption bewirkt – mehr hier).

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