Strom syrischer Flüchtlinge reißt nicht ab: Türkei will Krise vor den UN-Sicherheitsrat bringen

In Anbetracht der immensen Zahl an syrischen Flüchtlingen, die nach wie vor täglich in die Türkei strömen, hat der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu nun angekündigt, das Thema vor den UN-Sicherheitsrat zu bringen. Das Ziel: Die jetzige Situation soll als „internationale Krise“ eingestuft werden.

Wie Ahmet Davutoğlu das Thema in den UN-Sicherheitsrat einbringen will, das ist nach Angaben türkischer Medien bisher nicht bekannt. Es wird jedoch vermutet, dass sich der Außenminister diesbezüglich am 30. August während des Ministertreffens des UN-Sicherheitsrates einbringen wird.

Gegenüber Reportern in seiner Heimatstadt Konya argumentierte Davutoğlu, dass der nicht abreißen wollende Strom an syrischen Flüchtlingen in die Türkei das Resultat des Bürgerkriegs und der anhaltenden Spannungen im Nachbarland sei, die auf Grund der Flucht Zehntausender Bürger vor der Gewalt des Assad-Regimes entstanden wären. Seit Beginn der Unruhen im März 2011 sollen bereits 13.000 Menschen gestorben sein.

Rund 70.000 Flüchtlinge suchen in der Türkei Schutz

Mittlerweile haben die seit nunmehr 17 Monaten andauernden Unruhen in Syrien rund 70.000 Flüchtlinge allein in die Türkei gespült. Die eingerichteten Flüchtlingslager stoßen an ihre Grenzen. Berichte über Probleme bei der Versorgung mit Wasser, Lebensmitteln und sogar bei der medizinischen Versorgung machen die Runde (Gerüchte über die Verweigerung von Behandlungen machten die Runde – mehr hier). Selbst zu gewalttätigen Ausschreitungen war es schon gekommen. Das Limit, so zitiert die türkische Tageszeitung Hürriyet den Außenminister, sei bei etwa 100.000 Flüchtlingen erreicht. Dann könne, so Davutoğlu weiter, bereits von einer „Völkerwanderung“ gesprochen werden. Die Konsequenz für die Türkei: Dann müsse man damit beginnen, die Flüchtlinge in Syrien selbst zu versorgen. Damit das jedoch gelingt, müssten die Vereinten Nationen nach Ansicht des Politikers Lager auf der syrischen Seite der Grenze errichten.

Szenen, wie sie sich Anfang der 1990er Jahre abspielten, als im Zuge des Golfkrieges gut eine halbe Million Menschen in die Türkei strömten, will das Land nun unbedingt vermeiden. Derzeit befürchtet die Regierung jedoch, dass Syrien in einem sektiererischen Bürgerkrieg versinken könnte. Reißen die Flüchtlingsströme nicht ab, dann, so die Befürchtung Davutoğlus, könnte sich das Ganze zu einer internationalen Krise ausweiten. So genannte Schutzzonen, die von der UN eingerichtet würden, könnten das verhindern. Bereits am vergangenen Samstag begannen türkische Hilfsorganisationen damit die Flüchtlinge entlang der türkisch-syrischen Grenze zu versorgen (das gab die türkische Katastrophenschutzbehörde (AFAD) bekannt – mehr hier). So installierte etwa der türkische Rote Halbmond vier Sammelstationen entlang der türkisch-syrischen Grenze. Dort können Spenden für die Flüchtlinge abgegeben werden. Auf dem Flughafen von Gaziantep wurde mittlerweile ein Umschlagsplatz für internationale Hilfsgüter eingerichtet.

Unruhen weiten sich auf Nachbarland Jordanien aus

Derweil weiten sich die Unruhen auf das Nachbarland Jordanien aus. Nach einer Massenentführung Mitt der vergangenen Woche, bei der auch ein türkischer Geschäftsmann als Geisel genommen wurde, kam es bereits tags darauf zu einer weiteren Entführung eines türkischen Lkw-Fahrers (darauf hin sprach die Türkei eine Reisewarnung aus – mehr hier). Einer, der sich davon allerdings nicht abschrecken lässt, ist Papst Benedikt XVI. Wie durch seinen Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am vergangenen Montag bekannt wurde, würden nach wie vor Vorbereitungen für die vom 14. bis zum 16. September angesetzte Visite getroffen (das Papamobil ist bereits auf dem Weg nach Beirut – mehr hier).

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