Istanbuls Zugezogene: Kaum jemand ist höher qualifiziert

Nach Istanbul zieht es viele Menschen aus aller Welt und natürlich auch aus der gesamten Türkei. Das Parlament hat nun etwas genauer hingeschaut und untersucht, welchen Bildungsgrad die Neuankömmlinge am Bosporus vorzuweisen haben. Das Ergebnis ist alles andere als erbaulich.

Aufgrund einer Anfrage aus dem Parlament wurde bekannt, dass in den letzten fünf Jahren  insgesamt 1,653,295 Millionen Menschen nach Istanbul gekommen sind. Die meisten von ihnen besaßen einen höheren Schulabschluss oder hatten die Volksschule beendet. Das berichtet derzeit die türkische Hürriyet.

Die Antwort des Ministers für Entwicklung Cevdet Yılmaz an den Istanbuler MHP-Abgeordneten Ali Torlak über „Migration in Istanbul und den daraus resultierenden Problemen“, brachte einige interessante Daten zum Vorschein. „Die Bevölkerung, die nach Istanbul immigriert, ist zwar gebildeter als die Gesamtbevölkerung Istanbuls, aber dennoch weniger qualifiziert im Vergleich zu allen Immigranten, die in die Türkei kommen“, fasst Yılmaz zusammen. Die größte Zahl der Zugezogenen im Zeitraum von 2007 bis 2011 sei aus Tokat gekommen. Den zweiten Platz belegten die 69,589 Neuankömmlinge aus Ankara, aus Ordu kamen zudem 55 355 Menschen. Am wenigsten kamen zur gleichen Zeit aus Burdur. Aus dieser Gegend strömten nur 878 an den Bosporus.

Nur rund 13 % der Zugezogenen haben eine Uni-Abschluss

Bei Migranten über 15 Jahren hat der größte Anteil von ihnen (25.54 Prozent) einen höheren Schulabschluss. Generell besitzen 32.94 Prozent derjenigen, die von einer Provinz in eine andere ziehen, einen höheren Schulabschluss. Auf der anderen Seite würden 23.26 Prozent der Zugezogenen von Istanbul gerade einmal einen einfachen Schulabschluss besitzen.Deren Anteil liegt innerhalb der gesamten Türkei bei 21.84 Prozent. Und noch eine Zahl fällt auf: Der Anteil derjenigen Migranten mit einem Universitätsabschluss liegt landesweit bei 15.22 Prozent. In Istanbul liegt deren Anteil allerdings bei nur 13.12 Prozent.

33,56 Prozent der Istanbuler Bevölkerung haben lediglich die Grundschule besucht, 21,96 eine weiterführende Schule. 9,86 Prozent waren auf der Universität. Unter den Migranten über 15 Jahren hatten 15 611 einen Doktortitel und 2 677 einen Mastertitel. Die Anzahl derjenigen, die eine Universität besucht haben, beträgt 41 466. Auf der anderen Seite, so heißt es weiter, gebe es aber immer noch 17 695 Personen, die Analphabeten seien und auch keinen Schulabschluss vorweisen könnten. 16 484 sind Zugezogene in Istanbul.

In der gesamten Türkei beträgt die Anzahl der Migranten 1 782 480. Unter ihnen gibt es 83 832 Analphabeten und 561 435 Volksschulabgänger. Eine weiterführende Schule besuchten 653 518. 271 289 gingen auf eine Universität. Weitere 15 101 haben einen Master und 3 968 einen Doktortitel (derzeit ist der türkische Industrieminister bestrebt, türkische Wissenschaftler, die im Ausland tätig sind, zurück in die Heimat zu holen – mehr hier).

Der Türkei fehlt der akademische Nachwuchs

Wie wichtig jedoch gerade akademischer Nachwuchs für die Türkei sei, darauf verwies erst vor kurzem auch TÜBİTAK-Präsident Yücel Altunbaşak. Das Land habe diese Notwendigkeit bereits erkannt und stelle nun das 60-fache seiner Ressourcen für Forschung und Entwicklung zur Verfügung. Darüber hinaus sei die Zahl der türkischen Wissenschaftler in den letzten zehn Jahren von 20.000 auf 64.000 angewachsen. Doch obgleich das eine sehr schöne Zahl sei, sei sie keineswegs ausreichend. Ganz im Gegenteil sei sie nicht das Ziel, das man sich erhofft habe. „Die Türkei braucht 250,000 Forscher“, macht Altunbaşak den anhaltenden Mangel deutlich (Für mehr türkische Forschung will die Türkei bis zu 20 Millionen Dollar an das Massachusetts Institute of Technology (MIT) spenden – mehr hier).

Altunbaşak verwies auf den Boom des chinesischen Technologie-Sektors in den 90er Jahren. Dieser sei sicherlich dadurch zu erklären, dass zu jener Zeit eine Menge chinesische Studentinnen und Studenten, die ihren Abschluss in den USA gemacht hätten, zurück gekommen wären. „Wir wissen nicht, ob das der wirkliche Grund dafür ist, aber ich glaube an dieser Erklärung hängt ein bisschen Wahrheit dran.“

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