Türkische Familien im Schuldensumpf: Gut zwei Millionen droht eine Eintreibung

Die Haushaltslage vieler türkischer Familien ist desolat. In den vergangenen neun Jahren sind ihre Verbindlichkeiten um das 18-fache angestiegen. Ihr Gehalt hat sich im gleichen Zeitraum allerdings nur verdoppelt. Darauf hat jetzt ein Abgeordneter der türkischen Opposition hingewiesen.

Millionen türkische Haushalte droht die Eintreibung ihrer Schulden, warnt Sinan Aygun, ein Abgeordneter der türkischen Oppositionspartei CHP. Sinan Aygun, der auch etliche Jahre Leiter der Handelskammer in Ankara war, hat dazu nun eine entsprechende Untersuchung vorgelegt, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSAmed berichtet.

„Die Entwicklungen der vergangenen zehn Jahre zeigen, dass die Schulden der türkischen Familien wie ein Schneeball anwachsen“, so Aygun in einer Stellungnahme. Von einer niedrigeren Schuldenrate als sie etwa in einigen anderen europäischen Ländern herrsche, solle man sich jedoch nicht täuschen lassen. Die Türkei nähere sich hier Europa an. So habe die Verschuldung der türkischen Familien mittlerweile 50 Prozent des den Familien zur Verfügung stehenden Einkommens überstiegen und 45 Prozent der finanziellen Vermögenswerte.

Problem made in Turkey: Schulden mit Schulden tilgen

Das Problem liegt für den CHP-Abgeordneten auf der Hand: Türkische Bürgerinnen und Bürger würden ihren Konsum über Schulden finanzieren (die Zahl der ungedeckten Schecks wächst derzeit dramatisch – mehr hier). Anschließend versuchten diese Schulden dann über neue Schulden tilgen. Gleichzeitig sinkt Ihr reales Einkommen jedoch. „Mehr als zwei Millionen laufen derzeit Gefahr, dass die Schuldeneintreiber aufgrund ihrer Schulden bei den Banken, tätig werden”, so Aygun weiter (dabei tun auch die türkischen Banken ihr Übriges, um ihre Kunden in die Schuldenfalle zu locken – mehr hier).

Wie das Türkische Statistik Insitut (TÜKİK) bereits Mitte Dezember vergangenen Jahres mitteilte, liege der durchschnittliche Pro-Kopf-Verdienst eines türkischen Haushalts bei 22.630 Lira, also etwa knapp 9.000 Euro pro Jahr. Immerhin: jeder dritte Türke gilt als “arm”. Den Erhebungen zufolge leben 16,9 Prozent der Bevölkerung knapp an der Armutsgrenze, 18 Prozent hingegen ständig darunter. Außerdem, so ein weiteres Ergebnis der „Untersuchungen zum Einkommen und den Lebensbedingungen 2010” verdienen die Reichsten im Land acht Mal so viel wie die Ärmsten. Ein Jahr zuvor lag der Unterschied noch etwas höher bei 8,5 Prozent (34,9 Prozent der Türken leben knapp an der Armutsgrenze oder sogar darunter – mehr hier).

Monatliche Ausgaben in der Türkei sind gestiegen

Und noch eine weitere, in diesem Zusammenhang stehende Entwicklung wurde dieser Tage bekannt: Die monatlichen Ausgaben in der Türkei sind 2011 auf durchschnittlich knapp 1.000 Euro gestiegen, während diese im Jahr 2010 noch 850 Euro betrugen. Auch das geht aus aktuellen Zahlen des TÜKİK hervor. Und das, obwohl die Ausgaben in den meisten Bereichen gesunken sind. Vor allem, um die Mobilitätskosten zu decken, mussten die Türken allerdings in diesem Jahr tiefer in die Tasche greifen (In den Städten liegen die Lebenshaltungskosten mit 1.100 Euro leicht über dem Durchschnitt – mehr hier).

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