Bangen um türkischen Kameramann: Cüneyt Ünal im Strudel von Aleppo vermisst

Ein türkischer Kamerann, der in der einstigen syrischen Handelsmetropole Aleppo unterwegs war, um die dortigen Unruhen zu dokumentieren, gilt seit vergangenem Montag als vermisst.

Türkischen Medienberichten zufolge war Cüneyt Ünal für Al Hurra TV unterwegs. Zu ihm und seinem arabischen Kollegen Bashar Fahmi soll bereits seit ihrer Einreise nach Syrien am Montagmorgen kein Kontakt mehr bestehen.

Davutoğlu bestätigt Berichte, nennt aber keine Namen

Derzeit kursieren Gerüchte, dass die beiden Männer in der heftig umkämpften Handelsstadt Aleppo von syrischen Sicherheitskräften festgenommen worden sein könnten. Der Sender, so heißt es in einer Erklärung, bemühe sich derzeit fieberhaft weitere Informationen über den Verbleib der beiden Kollegen zu erhalten.

Mittlerweile hat auch der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu bestätigt, dass es „verdächtige Berichte“ über das Schicksal eines türkischen Journalisten gebe. Ob es sich dabei allerdings tatsächlich um Ünal handelt, wollte er zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht bestätigen. Das Außenministerium selbst soll, so heißt es weiter, die Situation des türkischen Journalisten in Syrien genau verfolgen.

Wie unberechenbar die Lage für Journalisten in Syrien derzeit ist, zeigt auch der jüngste Todesfall. Erst am vergangenen Montag war die japanische Journalistin Mika Yamamoto ums Leben gekommen. Die 45-jährige Kriegsreporterin wurde erschossen als sie mit einem langjährigen Kollegen und Anhängern der syrischen Opposition unterwegs war und in Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Aufständische geriet. Derzeit gibt es in den türkischen Medien Spekulationen, wonach auch Cüneyt Ünal bei dieser Gruppe gewesen sein soll. Yamamoto ist nicht die erste ausländische Journalistin, die in Syrien ihr Leben verliert. Im vergangenen Februar wurden die Amerikanerin Marie Colvin und ihr französischer Kollege Remi Ochlik in Homs getötet als ihre Unterkunft von Granaten getroffen wurde (türkische Kollegen haben sich nach diesem Vorfall solidarisiert – mehr hier).

Vize-Chef Dschamil bringt Assad-Rücktritt ins Spiel

Bangen musste die Türkei in der Vergangenheit auch um Adem Özköse (34) und Hamit Özonur (21). Die beiden Journalisten galten Anfang März dieses Jahres als vermisst und wurden im Mai wieder freigelassen. Seit Ausbruch der Unruhen von 17 Monaten sollen laut der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter bereits 23.000 Menschen getötet worden sein. Die UN spricht von etwa 17.000 Toten. Allein am vergangenen Dienstag sollen es erneut mehr als 150 Opfer gewesen sein (der türkische Außenminister Davutoğlu verglich das Verhalten Assads bereits im Februar mit dem von Kriegsverbrecher Milosevic – mehr hier).

Wie die „Tagesschau“ an diesem Mittwochvormittag meldet, habe der syrische Vize-Regierungschef Kadri Dschamil in der Zwischenzeit einen Rücktritt des syrischen Machthabers Bashar al Assad ins Spiel gebracht. „Wir sind bereit, dieses Thema zu diskutieren“, zitiert ihn das Medium nach einem Treffen mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow in Moskau. Es könne, so fährt er fort, allerdings keine Verhandlungen mit der Opposition geben, sollte ein Rücktritt Assads zur Vorbedingung für solche Gespräche gemacht werden. Lawrow habe betonte, dass es keine „Einflussnahme“ von außen geben dürfe, es sei denn mit dem Ziel, einen Dialog zu herbeizuführen.

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