Türkei: Umweltschützer stoppen Bauvorhaben mit Yoga-Übungen

Zwischen den ganzen All-Inclusive-Hotels, überlaufenen Shopping- und Ausgehmöglichkeiten in Antalya ist es ein echter Geheimtipp unter Touristen aus aller Welt: Das kleine Dorf Çıralı. Abseits der vielen Hotelanlagen ist hier ländliche Idiylle angesagt. Die kleinen Pensionen bieten einen ruhigen Türkei-Urlaub an einem sauberen und vor allem nicht überfüllten Strand in familiärer Atmosphäre.

Die Ruhe, die hier in Çıralı sonst herrscht, wurde vor einiger Zeit von breiten Protesten durchbrochen. Die Dorfbewohner gingen auf die Barrikaden. Der Grund: Ein Tourismusunternehmer hatte in dem eigentlich unter Naturschutz stehenden Gebiet mit Bauarbeiten begonnen. Ende Juli hat nun das Verwaltungsgericht von Antalya entschieden, dass die Bauarbeiten unzulässig sind. Sie wurden komplett untersagt.

Bewohner wollen ihr Dorf schützen

Dass hier womöglich das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, zeigen die undurchsichtigen Verwicklungen. Der Amateurfußballklub der Region „Ormanspor“ hatte ein Trainingsgelände zur Verfügung gestellt bekommen. Dieser nutzte das Gelände allerdings nicht selbst, sondern verpachtete es an den Unternehmer Hüseyin Gedik, der bereits andernorts ein Hotel besitzen soll, wie türkische Medien berichten.

Als der betreffende Bereich eingezäunt wurde, damit mit den Bauarbeiten begonnen werden konnte, reagierten die Bewohner, die ihr kleines Örtchen Çıralı schützen wollten, mit Protesten (in Bodrum scheint man den schillernden Tourismus hingegen zu lieben – mehr hier).

Örtchen Çıralı im Einklang mit der Natur

Es zeigte sich ein schneller Erfolg: Die Bauarbeiten wurden gestoppt. Doch – so die Bewohner – hätten die Behörden als Racheaktion, einige Pensionen, die ohne Genehmigung gebaut wurden, abgerissen. Seit Jahren hatte das allerdings niemanden gestört. Am Tag des Abrisses organisierten sich die Frauen der Region, wie die Radikal schreibt, in stillem Protest vor den betroffenen Gebäuden. Um zu zeigen, dass sie ihren Ort im Einklang mit der Natur nutzen wollen, legten sie kurzerhand ihre Yogamatten – wer die nicht hatte, nahm einen kleinen Teppich von zu Hause mit – auf die Straße und begannen unter großem Polizeiaufgebot mit ihren Übungen.

An ihrem Vorhaben hindern, ließen sie sich von den Behörden allerdings in diesem Fall nicht (Im malerischen Dorf Çeltek an der türkischen Schwarzmeerküste müssen Besucher sogar klingeln – mehr hier). Erfolgreich waren sie dennoch. Weitere Gebäude sind nun trotz gegenteiliger Ankündigung nicht betroffen und der Streit um den begehrten Strandabschnitt an der türkischen Mittelmeerküste hat mit dem Gerichtsurteil nun vorerst ein Ende gefunden.

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