Bülent Ceylan über die Türken: „Wenn es gegen die Mutter geht, gibt’s Stress“

Es gibt viele Möglichkeiten und Wege mit den Problemen, die Integration aufwirft, umzugehen. Die Antwort des bekannten Mannheimer Komikers Bülent Ceylan ist seit Jahren definitiv Humor - mit immer neuen Überraschungen.

Seine persönliche Identitätskrise bezüglich Herkunft, Zugehörigkeit und Heimat habe er bereits als Teenager erlebt und längst hinter sich gelassen, verrät der wortgewandte Comedian im aktuellen Interview mit FHM. „Später habe ich zu meiner Herkunft gestanden und das den Leuten mit Humor vermittelt“, berichtet er gegenüber dem Männermagazin. Heute, und das wird auch bei allen seinen Auftritten deutlich, sehe er sich als „Monnemer“, also waschechter Mannheimer – inklusive des einschlägigen Dialekts, den er in kurzen Gags oder gleich in Form seiner Bühnenfiguren aus dem Hut zaubert. Seine Identität hat Ceylan bei allem Humor jedoch ganz klar zwischen Orient und Okzident ausgemacht: Seine Heimat sei hier in Deutschland, dem Heimatland seiner Mutter und ebenso in der Türkei, dem Herkunftsland seines Vaters.

Bewusstes Spiel mit Vorurteilen und Klischees

Die Konsequenz für den 36-Jährigen: In seinen Shows nimmt er mit Hilfe seiner verschiedenen Alter Egos Deutsche, Türken und nicht zuletzt sich selbst und sein Publikum ordentlich auf die Schippe (auch der Kabarettist Fatih Çevikkollu mag es, sein Publikum zu irritieren – mehr hier). Er schreckt dabei auch vor Tabus nicht zurück. Er dürfe das, schließlich sei er „der Kanak“. Gekonnt spielt er auf der Klaviatur der Vorurteile und Klischees. Dass da stets ein Fünkchen Wahrheit mit dabei ist, versteht sich jedoch von selbst. Zum Beispiel wenn jemand die Mutter eines Türken angreife, dann „gibt’s Stress“, mahnt der Komödiant im Gespräch mit FHM (doch wie weit darf Komik eigentlich gehen?  – mehr hier).

In vielen anderen Beziehungen passt Bülent Ceylan dafür aber umso weniger in das Klischee, das er etwa in der Figur Hassan zum Bersten komisch zelebriert. Mit seinen langen Haaren und ohne Boxerschnitt, dafür aber mit seiner Leidenschaft für Heavy Metal und nicht für Bushido, weiß manch Zuschauer vielleicht in der Tat nicht, wohin er Bülent eigentlich stecken kann. Dabei liegt das auf der Hand: Er steht für einen jungen Mann der  zweiten Generation, der Vorurteile gleichzeitig erfüllt und mit ihnen aufräumt. Er spricht fließend Deutsch, dafür aber nicht unbedingt astreines Türkisch. Er hat sein Abitur und ein Studium in Philosophie und Politikwissenschaften angefangen. Und zur Überraschung vieler ist er auch nicht automatisch Moslem wie sein türkischer Vater. So glaube er zwar an Gott oder Allah, fühle sich aber keiner Religion zugehörig. Fasten während des Ramadans steht für ihn, ganz zur Überraschung der FHM-Redaktion, also nicht auf dem Programm.

Engagement gegen Rassismus und für Toleranz

Die Augen verschließen, will er bei all dem Spaß allerdings nicht. Dass es Integrationsprobleme gebe, davon ist auch er überzeugt. Zum Beispiel wenn junge Migranten in ihrem Ghetto sitzen und nicht richtig Deutsch könnten. Ceylan habe wiederum nie wirklich Türkisch gelernt, was er selbst auch schade fände. Doch sein Vater habe Angst gehabt, er würde sonst Probleme beim Abitur bekommen. Heute will Ceylan seine Bekanntheit offenbar nutzen, um genau hier anzusetzen. Erst im April diesen Jahres erhielt er „für seine Verdienste um die Integration und das interkulturelle Verständnis, für seinen Einsatz gegen Rassismus und für Toleranz“ den Verdienstorden des Bundeslandes Baden-Würtemberg. Ceylan ist nicht nur Botschafter der Initiative „Respekt. Kein Platz für Rassismus“, sondern engagiert sich auch für das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.

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