Rabbi angezeigt: Beschneidungsdebatte in Deutschland flammt wieder auf

Einem Rabbi aus Bayern droht nun die Anklage, weil er weiterhin Beschneidungen an Jungen ohne Betäubung durchführt. Damit wird die im Zuge des Kölner Beschneidungsurteils enstandene Debatte wieder in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit gerückt.

Die Diskussion über Beschneidungen hat wieder an Brisanz gewonnen, nachdem ein Rabbi aus dem Freistaat Bayern von einem hessischen Kollegen aus Gießen verklagt wurde, weil der Babys ohne Betäubung beschnitten hatte. Die Argumentation des Beschuldigten: Solange es dazu kein Gesetze gebe, mache er auch weiter.

Rabbi David Goldberg hat über 40 Jahre Erfahrung

Der 64-jährige Mohel betont, dass es zwar das im vergangenen Juni erlassene Urteil des Kölner Landgerichts gebe, das die religiös motivierte Beschneidung eines Jungen als strafbare Körperverletzung bewerte, doch eben kein Gesetz (mehr dazu hier ). Der Jüdischen Allgemeinen Zeitung zufolge, werde derzeit geprüft, ob Anklage gegen Rabbi David Goldberg aus dem oberfränkischen Hof erhoben wird. Ist der Fall tatsächlich von strafrechtlicher Relevanz, dann wäre die Anklage eines Arztes tatsächlich der erste Gerichtsfall, der sich dieses Themas annimmt. Goldberg, der bereits seit mehr als 40 Jahren in Deutschland tätig ist, gibt an, dass er selbst bisher lediglich über die Presse von der drohenden Anklage erfahren hätte. Sollte eine offizielle Mitteilung kommen, dann werde er diese an den Zentralrat der Juden in Deutschland weiterleiten, erklärte er der israelischen Tageszeitung Haaretz.

Oberrabbiner Yona Metzger gegen Betäubung

Der deutsche Bundestag arbeitet bereits an einer gesetzlichen Neuregelung. Diese soll garantieren, dass „eine medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen grundsätzlich zulässig ist“ (mehr hier). Der Rabbiner beschneidet eigenen Angaben zufolge etwa 30 Buben pro Jahr. Werde es gewünscht, werde auch ein Arzt hinzugezogen. Eine Betäubung hält der Geistliche hingegen für schädlich. Damit liegt er auf einer Linie mit dem israelischen Oberrabbiner Yona Metzger, der zwar die Möglichkeit der Fortbildung für Rabbiner herausstellte, aber sich gleichzeitig gegen eine Betäubung vor der Beschneidung aussprach.

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