Paralympics 2012: Türkischer Kader ist viermal so groß wie in Peking

Mit ihrer bisher größten Delegation wollen die türkischen Paralympics-Teilnehmer in der kommenden Woche in London auflaufen. Ganze 67 Athletinnen und Athleten umfasst das Team. Das sind mehr als viermal so viele wie vor vier Jahren in Peking.

Wie schon ihre Kollegen bei den 30. Olympischen Sommerspielen, so hat auch der türkische Paralympics-Kader in diesem Jahr um einiges mehr zu bieten als bei früheren Wettkämpfen (Anfang August war man mit 114 Athleten in Großbritannien – Rekord! – mehr hier). Trat die Mannschaft 2004 in Athen mit gerade einmal acht Sportlern und vier Jahre später in Peking mit immerhin schon 16 Teilnehmern an, erhöhen sich mit aktuell 67 Athletinnen und Athleten die Medaillenchancen der Türken um ein Vielfaches.

Paralympics 2012: Erneut türkische Premieren

Doch woher rührt dieser immense Anstieg? Wie schon vom 27. Juli bis 12. August 2012, so wird die Türkei auch in der Zeit vom 29. August bis zum 9. September in einigen Sportarten wie zum Beispiel Basketball, erstmals mit von der Partie sein.

Auch die erste türkische Goldmedaillengewinnerin bei Paralympischen Spielen, Gizem Girişmen, wird wieder mit dabei sein. Für sie gilt es nun ihren Titel im Bogenschießen zu verteidigen. Monatelang, so berichtet sie gegenüber der türkischen Nachrichtenagentur Anatolia, habe sie gut sechs Stunden pro Tag trainiert und insgesamt drei verschiedene Trainingslager absolviert. Jetzt, so sagt sie selbstbewusst, sei sie bereit für die Olympischen Spiele. „Ich habe hart gearbeitet und will mein Bestes geben, um meinen Titel in London zu verteidigen.“ Dass ihr jetzt eine deutlich höhere Erwartungshaltung entgegenschlägt, als noch 2008, sei ihr durchaus bewusst. „Mit Gold aus Peking heim zu kommen, legte mir eine Extra-Verantwortung auf. Mit diesem Bewusstsein werde ich nun nach London reisen. Ich will noch einmal Gold gewinnen und mein Land mit Stolz erfüllen.“ Gizem Girişmen ist eine von insgesamt elf türkischen Bogenschützen.

Neben Gizem gibt es nur noch eine Medaillengewinnerin im türkischen Kader. Neslihan Kavas konnte vor vier Jahren Bronze mit in die Türkei nehmen. Diesmal ist sie eine von insgesamt sechs Tennisspielern im Team. Vertreten ist die Türkei darüber hinaus mit sechs Athleten beim Gewichtheben, ebenfalls sechs treten im Judo an, fünf Schützen, zwei Schwimmer und fünf Leichtathleten.

Unter den Medaillenhoffnungen 2012 befinden sich allerdings nicht nur die beiden Damen, sondern auch der Schütze Korhan Yamaç. Als erster Türke holte er 2004 eine Gold- sowie eine Bronzemedaille im Sportschießen. Zu ihm gesellt sich in London auch Weltmeister Cevat Karagöl.

Dass es gerade bei den Paralympics nicht nur auf den Medaillenspiegel ankommt, das verdeutlicht jedoch der blinde Leichtathlet Nesim Öner: „Ich habe nicht einmal daran gedacht, dass ich es zu den Paralympics schaffe. Ich habe hart gearbeitet und habe nun das ultimative Ziel erreicht, etwas, wovon jeder Athlet träumt. Ich glaube, ich werde mein Land bestmöglich repräsentieren.“

Drei jordanische Rollstuhl-Gewichtheber ausgeschlossen

Gab es bereits im Vorfeld der Olympischen Spiele einige Dopingskandale (für die türkische Athletin Meryem Erdoğan hörte der Wettbewerb auf, noch bevor er angefangen hatte – mehr hier), so haben nun auch die Paralympics noch vor dem Entzünden der Olympischen Flamme ihre ersten unangenehmen Schlagzeilen. Konkret geht es um drei jordanische Rollstuhl-Gewichtheber, die wegen sexueller Nötigung in Nordirland angeklagt wurden. Das Trio soll in der Zeit vom 16. bis 20. August angeblich zwei Frauen und zwei 14-jährige Mädchen mehrfach sexuell belästigt haben. Die Verhandlung ist für den 18. Oktober angesetzt. Die Drei wurden aus dem jordanischen Paralympics-Team ausgeschlossen.

Mehr zum Thema:

Olympia 2020: Zuschlag könnte Milliarden Dollar in die türkische Wirtschaft spülen
Zurück in der Heimat: Türkischen Olympioniken wird in Istanbul ein herzlicher Empfang bereitet
Olympia 2012: Für die Türken kam das Beste zum Schluss

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.