TV: Türkei zensiert Gespräch über Aleviten und Sunniten

Erneut ist es beim staatlichen türkischen TV-Sender TRT zur Zensur gekommen. Diesmal kam es zum Eingriff, als es in einer Filmsequenz um die Glaubensrichtung einer Figur, die zuvor auf dramatische Weise zum Islam bekehrt wurde, ging.

Konkret, so schreibt die türkische Tageszeitung Hürriyet, gehe es um den 2006 entstandenen Film „Hacivat Karagöz Neden Öldürüldü“, der die zwei bekannte Figuren des legendären türkischen Schattentheaters, Hacivat und Karagöz, in den Fokus der Handlung rückt. In der betreffenden Szene fragte nun einer der beiden einen Mann namens Eredna, warum dieser zum Islam konvertiert sei.

Zunächst bestätigte Eredna, dass er das tatsächlich getan habe. Woraufhin ihn sein Gegenüber fragte: „Alevite oder Sunnite?“ Eredna entgegnete darauf, dass er diese Frage dem Ulama, einem Religionsgelehrten des Islam, überlassen habe und derzeit auf eine Antwort warte.

Zensur: Regisseur Ezel Akay vermutet politische Motive

Genau diese Sequenz fiel bei der Ausstrahlung auf TRT jetzt allerdings der Zensur zum Opfer. Regisseur Ezel Akay zeigte sich erbost über diese Vorgehensweise. Er unterstellt dem Sender nun politische Motive. „Es ist eine Schande für das türkische Kino, für die Kunst und für das Zeitalter, in dem wir leben“, wettert Akay (ohnehin haben Reporter ohne Grenze die Türkei im Auge – mehr hier).

Erst vor kurzem sorgte TRT für Unmut als man in die Übertragung der Abschlusszeremonie der Olympischen Spiele in London am 12. August eingriff und John Lennons bekannten Song „Imagine“ kurzerhand zensierte und die Passage über eine Welt ohne Religion einfach nicht übersetzte. „No religion“, das ist offenbar nichts für türkische Zuschauer, entschied der Sender eigenmächtig (der Moderator, der sonst korrekt ins Türkische übersetzte, ließ diese Stelle einfach aus – mehr hier).

https://www.youtube.com/watch?v=i9w11JOl9o0

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