Kampfansage an Hacker-Gruppen: Türkisches Ministerium ruft Cyber-Team ins Leben

Die türkische Regierung will den immer häufiger werdenden Attacken der international agierenden Hacker-Gruppe Anonymous sowie der türkischen Gruppierung RedHack nicht länger tatenlos zusehen. Zahlreiche erfolgreiche Übergriffe auf Webseiten öffentlicher Einrichtungen haben dazu geführt, dass nun ein Cyber-Kampf-Team installiert werden soll.

Das neue Sicherheitsteam der Regierung, so berichtet unter anderem die türkische Hürriyet, besteht aus 150 Fachleuten, die türkische Webseiten und die IT-Infrastruktur schützen sollen. Eine entsprechende Vereinbarung zwischen der TÜBİTAK und dem Ministerium für Transport und Kommunikation soll bereits in den kommenden Wochen unterzeichnet werden.

Dementsprechende Pläne der türkischen Regierung waren in der vergangenen Woche bekannt geworden. Konkret bedroht fühlt man sich dort offenbar durch Anonymous als auch durch RedHack, die in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder in die Schlagzeilen geraten waren.

Der Plan, so berichtet die türkische Zeitung „Hürriyet“, stehe in direktem Zusammenhang mit Angriffen auf staatliche Internetseiten. Vorgesehen sei nun die Etablierung eines Nationalen Cyber-Sicherheitsrates sowie eines Nationalen Cyber-Frühwarn- und Aktions-Zentrums, um vor allem gegen diese beiden Gruppierungen wirksam agieren zu können. Vorgestellt worden seien die angedachten Maßnahmen dem Minister für Transport und Kommunikation, Binali Yıldırım, in einem Papier namens „Strategisches Nationales Cyper-Sicherheits-Dokument“.

Attacken sollen überwacht und genau analysiert werden

Innerhalb des Aktionsplans vorgesehen, so berichtet das Blatt weiter, sei die enge Überwachung privater und internationaler Attacken durch Teams der türkischen Regierung. Ein Monitoring soll darüber hinaus hinsichtlich der Strukturen der attackierten Personen und Gruppen erfolgen. Last but not least würde auch dem Timing und der Intention der Angriffe nähere Beachtung geschenkt. Das Ziel: Die eingesetzten Teams sollen auf Grund dieser Erkenntnisse Pläne und Lösungen entwickeln, wie den Hacker-Gruppen künftig wirksam begegnet werden kann (insgesamt verbringen die Türken mehr Zeit im Internet als die meisten Europäer – mehr hier).

Laut dem Dokument sollen universitäre und nicht-universitäre Programme zum Thema Cyber-Sicherheit gestartet werden. Forschungseinrichtungen und Test-Zentren, die sich vorzugsweise mit diesem Thema befassen, sollen ebenfalls vorangetrieben werden. Darüber hinaus würden spezielle Regelungen eingeführt, um die Beschäftigung von Cyber-Security-Experten in öffentlichen Institutionen zu ermöglichen, sodass auch der Staat letztlich auf deren Knowhow zurückgreifen könne. Und es geht noch weiter ins Detail: So wird der Erwerb von technischen Vorrichtungen, die zu diesen Zwecken nötig sind, von heimischen Anbietern genauso empfohlen wie die Etablierung von Forschungs- und Entwicklungsprogrammen, die die Produktion und Verwendung von nationalen Technologien im Bereich der Cyber-Sicherheit auf der anderen Seite auch fördern. Zugleich wird die Gründung eines regionalen Cyber-Organisation, die es der Türkei ermöglichen würde regionaler Marktführer auf diesem Gebiet zu werden, angetragen. Damit einher gehen solle allerdings auch eine Verbesserung der IT-Infrastruktur im privaten und öffentlichen Sektor bis Ende 2013. Alle Institutionen mit einer kritischen Infrastruktur sollen, laut Dokument, entsprechende Schulungen zum Thema Internetsicherheit erhalten.

Internet-Sicherheit mit Hilfe türkischer Kompetenzen verbessern

Insgesamt setzt das Dokument auf eine Verbesserung der Situation mit türkischen Ressourcen. So sollen mit Hilfe nationaler Mittel Systeme entwickelt werden, die Angriffe durch schädliche Software, Viren und Angriffe gegen Firewalls wirksam zu verhindern wissen. Damit einher geht auch die Verwendung türkischer Betriebssysteme, Browser und Suchmaschinen.

RedHack, eine sozialistische Hacking-Gruppe, hat zuletzt als Reaktion auf bestimmte öffentliche Ereignisse regelmäßig Seiten der türkischen Regierung und der Polizei attackiert. Bei einigen Operationen haben sie dabei Unterstützung der internationalen Gruppierung Anonymous erhalten. Von den aktuellen Bestrebungen zeigen sie sich jüngsten Meldungen zufolge unbeeindruckt. Ganz im Gegenteil wird behauptet, dass man bereits Verbündete in Regierungskreisen habe.

Wie wichtig weitere Schritte in diese Richtung sind, darauf hat auch Professor Mustafa Alkan, Vorsitzender der Informatiksicherheitsvereinigung, während eine strategischen Workshops zum Thema Internetsicherheit in Ankara am 19. Juni dieses Jahres hingewiesen. „Die Türkei ist unter den Top 10 Ländern, die Cyber-Attacken ausgesetzt sind“, warnte der Wissenschaftler die anwesenden Fachleute. Das Thema sei umso ernster, als dass Länder, die nicht über solide Sicherheitsmechanismen verfügen würden, nicht nur den Verlust von sensiblen Informationen und Daten an fähige Hacker, sondern auch deren Manipulation oder gar Löschung riskierten.

Experte rät zur Internetsicherheits-Koordinations-Behörde

Die jetzigen Vorschläge hatte er dabei offenbar schon im Blick: Denn schon während der Zusammenkunft im Juni vertrat Alkan die Ansicht, dass es unbedingt nötig sei, eine nationale Internetsicherheits-Koordinations-Behörde ins Leben zu rufen, um künftig alle öffentlichen Institutionen zu schützen und um solche Angriffe auf Infrastrukturen zu überwachen. Fast alle entwickelten Länder haben mittlerweile eigene strategische Überlegungen zu diesem Thema getroffen und eigene Internetverteidigungseinheiten und Internetsicherheitsstrategien entwickelt (die türkische Hackergruppe RedHack steht derzeit im Visier der Ermittler. Sie soll künftig als terroristische Organisation betrachtet werden – mehr hier). “Wir müssen beides umsetzen, ein nationales Internetsicherheitsdokument und eine Behörde, die die Aktivitäten der öffentlichen Institutionen, wie etwa des Wissenschafts- und Technologieforschungsrats der Türkei (TÜBITAK) oder der Telekommunikation Direktion (TİB), des Generalstabs und des Innenministeriums, koordiniert” (die Bereitstellung von Geldern für die Forschung auf diesem Gebiet wurden bereits angekündigt – mehr hier).

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