Schlechteste Restauration der Welt: Spanisches Dorf wird zum Besuchermagnet

Eigentlich hatte sie ja nur helfen wollen. Doch dabei zerstörte die betagte Spanierin Cecilia Gimenez ein über hundert Jahre altes Kirchengemälde von Jesus Christus. Weltweit sorgte ihre verpatzte Restauration für Aufsehen. Nun strömten hunderte von neugierigen Besuchern ins kleine Dorf Borja, um sich den kunsthistorischen Frevel selbst anzusehen.

Als das Vorher-Nachher-Foto vor wenigen Tagen durch die weltweite Presse geisterte, trauten viele Leser ihren Augen nicht. Das, was da in den Gazetten von New York bis Moskau abgebildet war, galt nicht nur ausgewiesenen Kennern schnell als „die schlechteste Restauration der Welt“.  Und das nicht ohne Grund: Denn auf dem 102 Jahre alten Kirchengemälde von Jesus Christus, sieht dieser nun aus wie ein, nunja, blasser Affe. Dass dieser Umstand allerdings nicht nur als künstlerische Katastrophe, sondern auch als ökonomischer Segen gewertet werden kann, darüber waren sich die zumeist hämischen Kommentatoren ebenfalls schnell einig.

Und so kam, was kommen musste: Wie die türkische Hürriyet derzeit berichtet, soll das verpatzte Jesus-Gemälde am vergangenen Wochenende hunderte von Besuchern in den Nordosten Spaniens gezogen haben, um mit eigenen Augen zu betrachten, was schon am heimischen Küchentisch für ordentliche Lacher gesorgt hatte (türkische Kunst kann innerhalb des Google Art Projects bewundert werden – mehr hier).

Eigentlich war der Restaurationsversuch der über 80-jährigen Cecilia Gimenez ja gut gemeint. Doch offenbar eskalierten ihre Anstrengungen derart, dass am Ende nicht mehr viel von Christus mit der Dornenkrone übrig war. Ob das liebevoll als „Monchichi-Jesus“ bezeichnete Gemälde wieder hergestellt werden kann und ob die Gemeinde das überhaupt will, steht derzeit noch in den Sternen. Seine Fans sehen jedenfalls keinen Grund den misslungenen Restaurationsversuch des 1910 entstandenen Werks des Malers Elías García Martínez wieder rückgängig zu machen.

Am Samstag bildeten sich lange Schlangen von neugierigen Besuchern vor der Kirche Santuario de Misericordia (derweil will die Türkei gestohlene Kunst nach Hause holen – mehr hier). Und auch im Internet ist das „verschlimmbesserte“ Fresko mittlerweile ein Star. Die eigens gegründete Facebook-Gruppe Señoras que restauran Cristos de Borja etwa hat bereits rund 35.300 Mitglieder. Derweil werden aber auch „beunruhigende“ Nachrichten bekannt. Wie das Portal Telepolis aktuell meldet, sei „(…) Giménez selbst der Meinung, dass ihr restauriertes Bild noch gar nicht fertig sei, und forderte in einem Fernsehinterview öffentlich die Erlaubnis, daran weiterzumalen.“

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