Eigene Ratingagentur: Macht die Türkei ihre Ankündigung wahr?

Die Türkei macht ernst und leitet die notwendigen Schritte auf dem Weg zu einer landeseigenen Ratingagentur ein. Obwohl die letzte Einschätzung einer der weltweitführenden Ratingagenturen Fitch positiv ausfiel, zeigt sich die Türkei entschlossen, sich unabhängig zu machen. Ob die eigenen Einschätzungen auf dem Weltmarkt annerkannt werden, ist allerdings fraglich.

Erst vor kurzem gab der türkische Wirtschaftsminister Zafer Çağlayan bekannt: „Wir werden uns nächste Woche mit den involvierten Banken treffen. Warum sollten wir nicht in den nächsten acht bis zehn Jahren unsere eigene Ratingagentur haben?“ Urspünglich käme die Idee jedoch vom türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdoğan. Sie war entstanden, nachdem die Ratingagentur Standard & Poor’s, die Türkei im Mai dieses Jahres herabgestuft hatte. Erdoğan zeigte sich empört von diesem Schritt und drohte nicht nur den Vertrag mit der Agentur zu kündigen, sondern auch damit, eine eigene zu gründen (mehr hier).

Çağlayan: Türkei besitzt die benötigte Infrastruktur

Da Çağlayan im Ausland wohl vermehrt auf derartige Pläne angesprochen wurde, wolle er nun einige Informationen bekannt geben. Anfangs solle die Agentur öffentlich betrieben werden. In der Zukunft käme aber eine Privatisierung möglicherweise auch in Frage, so der Wirtschaftsminister. Er versicherte, die Türkei besitze die benötigte Infrastruktur für dieses Projekt.

Anschließend nahm Çağlayan Bezug auf einen Bericht, der weltweit führenden Ratingagentur Fitch Ratings, der angibt, die Türkei möglicherweise in Zukunft mit einer besseren Note zu bewerten. „Die positive Einschätzung zeigt, dass sich der Vorhang vor den Augen von Fitch langsam hebt. Der Blick auf die Türkei klärt sich. Es ist nicht so, als ob sich meine Einstellung gegenüber Ratingagenturen geändert hat. Dennoch, langsam, aber sicher fangen diese an zu verstehen.“

Ratingagenturen ernten scharfe Kritik für ihre Einschätzungen

Insgesamt waren die führenden Ratingagenturen in den letzten Monaten dafür kritisiert worden, nicht angemessen zu beurteilen und so zum Beispiel auch eine Mitschuld an der Finanzkrise zu tragen (mehr hier). Das Signal, einhergehend mit der Voraussicht von Fitch als „anlagefähig“ eingeschätzt zu werden, blieb international nicht unbemerkt. In einem kürzlich veröffentlichten Artikel der Financial Times hieß es, die Türkei habe „einen anerkennenden Klopfer auf den Rücken bekommen“.

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