Gesichtstransplantation für 90.000 Euro: Jetzt will die Türkei Medizin-Touristen locken

Durch eine Reihe spektakulärer Transplantationen konnte die Türkei in den vergangenen Monaten für weltweites Aufsehen sorgen. Bald sollen nun wohl auch Ausländer von den Fertigkeiten türkischer Gesichts-Transplanteure profitieren können.

Der türkischen Zeitung Sabah zufolge habe das hiesige Gesundheitsministerium mittlerweile die Kosten für eine Gesichtstransplantation für Ausländer festgelegt. Diese belaufen sich nach Angaben des Mediums auf gut 93.000 Euro. Zunehmend, so heißt es, würde das Ministerium den so genannten Medizin-Tourismus in den Vordergrund stellen. Dieser boomt in Metropolen wie Istanbul bereits seit einigen Jahren. Schon 2009 lag die Zahl der jährlichen Medizintouristen bei gut einer halben Million jährlich. Vielfach haben sich Einrichtungen auf diese Klientel spezialisiert. Im Zuge dessen sei bereits eine Gebührenliste erstellt worden, die die Kosten für diverse medizinische Behandlungen von Ausländern in der Türkei ausweist.

Dieser Liste seien nun die Gebühren für eine Gesichts- bzw. Arm-Transplantation hinzugefügt worden. Während entsprechend versicherten türkischen Staatsbürgern durch eine solch aufwändige Behandlung keine Kosten entstünden, hätten Ausländer mit eben dieser Summe zu rechnen. Wie Dr. İrfan Şencan vom Gesundheitsministerium angibt, seien die entsprechenden Preise der Liste hinzugefügt worden, da es ja theoretisch möglich sei, dass ein Ausländer derlei Behandlungen in der Türkei durchführen ließe. Im Zuge der ersten Gesichtstransplantation an der Akdeniz Universität erstattete die Anstalt für Soziale Sicherheit gut 20.400 Euro.

Transplantationen: Erfahrungswerte türkischer Ärzte sind gering

Gesichtstransplantationen, Gebärmuttertransplantationen, Verpflanzung gleich mehrerer Gliedmaßen auf einmal: Die türkischen Mediziner haben in diesem Jahr gleich durch mehrere Premieren von sich Reden gemacht (den Anfang machte im vergangenen Januar ein 19-Jähriger – mehr hier). Nicht immer ging die Sache allerdings gut aus. Überschattet wurden die Erfolgsmeldungen gleich durch zwei Todesfälle (der Euphorie folgte nun das Bangen um die weiteren Patienten – mehr hier). Nachdem Şevket Çavdar im vergangenen Februar sowohl zwei Beine als auch zwei Arme transplantiert wurden, verstarb dieser am Ende in Folge der schweren Operation. Auch die weltweit erste dreifache Gliedmaßen-Transplantation hatte kein gutes Ende genommen: Atilla Kavdır, für den zunächst alle Zeichen auf Genesung standen, ist am 4. Mai überraschend verstorben, nachdem die Ärzte stundenlang auf der Intensivstation um sein Leben gekämpft hatten.

Im Fall von Çavdar gab es mittlerweile erste Konsequenzen. Das Hacettepe Universitätsklinikum verlor seine Transplantations-Lizenz (der Tod des Mannes hätte verhindert werden können – mehr hier). Die zuständige Kommission untersuchte damals auch die anderen Transplantationen und stellte fest, dass die dreifach-Gliedmaßen-Transplantation im Akdeniz Krankenhaus im wahrsten Sinne des Worte nur „geglückt“ und auch hier die vorgegebenen Kriterien nicht eingehalten wurden. Es ist also fraglich, wie viel Vertrauen ausländische Patienten derzeit in die türkische Medizin auf diesem Gebiet haben. Noch stehen die Bestrebungen der Ärzte ganz am Anfang. Die Erfahrungswerte sind gering. Trotz großen Leidensdruckes für den Einzelnen scheint auch hier zu gelten: Abwarten und beobachten.

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