Türkische Gemeinde zu Berlin: Kampagne des Bundesinnenministeriums ist populistisch

Das Bundesinnenministerium plant eine Kampagne, um einer Radikalisierung junger Muslime entgegen zu wirken. Doch die Türkische Gemeinde zu Berlin fürchtet, die Herangehensweise würde lediglich Angst schüren und dazu gänzlich uneffektiv sein.

Eine 300 000 Euro teure Kampagne des Bundesinnenministeriums soll gegen die Radikalisierung von jungen Muslimen vorgehen. Zu sehen sein werden Plakate, auf denen unter der Überschrift „Vermisst“ Muslime abgebildet sind. Darunter werden Informationen zu Beratungsstellen aufgeführt.

Die Türkische Gemeinde kritisiert in einer öffentlicher Erlärung den „verharmlosenden Charakter“ der Kampagne. Schließlich seien „Vermisste“ Opfer. Doch besonders die „Plakatierung von Muslimen in Verbindung mit dem Kontext, dass die Vermissten in Gefahr sind, sich zu radikalisieren und terroristischen Gruppierungen anzuschließen“, würde den Betrachter nur unnötig ängstigen (für Innenminister Friedrich ist die größte Gefahr der Terrorismus, der in Deutschland selbst entsteht – mehr hier).

Eine Denunziation der eigenen Kinder ist kaum zu erwarten

Erstens sei die Gefahr von Radikalisierung junger Muslime in Deutschland ohnehin sehr klein. Zweitens sei den betroffenen Familien auf diese Art und Weise nicht geholfen. Keine Familie würde sich an eine staatliche Einrichtung wenden, wenn sie damit ein Kind möglicherweise einer Bestrafung aussetzt. „Eine Denunziation der eigenen Kinder ist wohl nicht mal von den Eltern der NSU-Mörder zu erwarten gewesen“, so der Präsident Bekir Yilmaz (Der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestages, Wolfgang Bosbach, ist der Meinung, dass die Morde hätten verhindert werden können – mehr hier).

Die Türkische Gemeinde zu Berlin würde die „populistische“ Kampagne nur dann unterstützen, „wenn mit der gleichen Herangehensweise und unter Mitwirkung von nationalsozialistischen Organisationen eine Aktion gestartet wird, worin das Abdriften von Jugendlichen in die nationalfaschistische Szene, insbesondere in den neuen Bundesländern, dargestellt wird.“

Bundesinnenministerium soll keine unnötigen Ängste schüren

Verwundert zeige man sich überdies über das Mitwirken von islamischen Religionsgemeinschaften. Sie seien „Handlanger eines Bundesinnenministeriums, das gleich zu Beginn seiner Amtsperiode seine Stellung zum Islam und den Muslimen unmissverständlich gezeigt hat.“ Besonders beim Thema Religion werde man nicht ausreichend ernst genommen und habe nicht genug Mitsprachrecht. Lediglich in Sicherheitsfragen werde man „als vollwertiger Partner“ anerkannt.

Yilmaz ruft das Bundesinnenministerium dazu auf, keine unnötige Angst zu schüren, sondern das Wohlbehagen aller Bürger, auch der muslimischen, zu gewährleisten.

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