Flüchtlingsströme aus Syrien: Außenminister Davutoğlu fordert internationale Hilfe

Nach Ansicht des türkischen Außenministers Ahmet Davutoğlu ist die Weltgemeinschaft in der Pflicht, den Nachbarstaaten des krisengeschüttelten Syriens bei der Versorung der in Massen hereinströmenden Flüchtlinge unter die Arme zu greifen. Darauf wies der Politiker kurz vor seiner Abreise zur nächsten Zusammenkunft des UN-Sicherheitsrates am 30. August hin.

Immer wieder tauchten in den letzten Tagen und Wochen Meldungen auf, wie sehr die nicht enden wollenden Flüchtlingsströme aus Syrien die türkischen Kapazitäten an ihre Grenzen treiben (kurzzeitig mussten die Hilfesuchenden sogar an der türkisch-syrischen Grenze aufgehalten werden – mehr hier). Jetzt, so berichtet unter anderem die türkische Hürriyet, fordere die Türkei internationale Unterstützung bei der Bewältigung der sich immer weiter verschärfenden Flüchtlingsproblematik. Mittlerweile sollen sich, unterschiedlichen Medienberichten zufolge, bereits gut 80.000 Flüchtlinge allein in der Türkei aufhalten. Gut 9.000 sollen zudem an der Grenze ausharren und darauf warten, dass die Türkei neue Camps in der Gegend errichte.

„Wir werden versuchen, die zuständigen Gremien der Vereinten Nationen zu aktivieren, um mit dem Flüchtlingsproblem umzugehen“, so Davutoğlu am vergangenen Montag im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ekmeleddin İhsanoğlu, Chef der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC), mit dem er zuvor gesprochen hatte. Der türkische Außenminister plant, die aktuelle Situation in Syrien und das wachsende Flüchtlingsproblem während der Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York am 30. August vorzutragen. Insgesamt wird sich der Rat bei dieser Zusammenkunft über die humanitären Auswirkungen des Bürgerkrieges in Syrien austauschen und beraten (das Ziel des türkischen Außenministers. Die Lage soll als internationale Krise eingestuft werden – mehr hier).

Flüchtlinge: Neue Lager und Güterverteilung an der Grenze

Neben der Türkei sind zu dem Treffen vier weitere syrische Nachbarstaaten eingeladen. Aus türkischen diplomatischen Quellen heißt es jedoch, dass der Irak nicht teilnehmen werde. Die humanitäre Tragödie in Syrien hat sich in den letzten Monaten massiv verschärft. Erst vor einigen Tagen wies die Türkei darauf hin, dass die Grenzen der Aufnahmefähigkeit bei etwa 100.000 Flüchtlingen lägen. Die Luft wird immer dünner, die magische Grenze bald überschritten. Die Konsequenz, die Davutoğlu für die Türkei in diesem Fall zieht: Dann müsse man damit beginnen, die Flüchtlinge in Syrien selbst zu versorgen. Damit das jedoch gelingt, müssten die Vereinten Nationen nach Ansicht des Politikers Lager auf der syrischen Seite der Grenze errichten.

Um den Strom etwas abzudämpfen und die an der Grenze wartenden Flüchtlinge nicht im Stich zu lassen, hat die Türkei bereits damit begonnen, Lebensmittel und andere Hilfsgüter an der Grenze zu verteilen (Hilfsorganisationen haben Sammelstationen für Spenden eingerichtet – mehr hier). In Gaziantep und in Hatay entstehen zudem gerade zwei neue Einrichtungen.

Syriens Nachbarn sollten Last nicht allein schultern

Die Türkei möchte ihre Pflicht der Menschlichkeit, Brüderlichkeit und Freundschaft, ganz gleich welcher ethnischen Herkunft und Religion die Syrer sind, erfüllen, wird Davutoğlu nicht müde zu betonen. „Doch auf der anderen Seite hat die Erhöhung der Flüchtlingszahlen auch zu einer großen Belastung geführt. Diese Belastung durch die benachbarten Länder wie die Türkei, Jordanien, Libanon und Irak sollte nicht von ihnen allein, sondern von der internationalen Gemeinschaft geschultert werden.“

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