UNHCR: Bis zu 200.000 syrische Flüchtlinge könnten in die Türkei fliehen

Nach Ansicht des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) muss die Türkei im Falle eine Verschärfung der Krise in Syrien mit bis zu 200.000 Flüchtlingen rechnen. Die Türkei selbst hatte die Schmerzgrenze bisher bei gut der Hälfte angegeben.

Laut Sybella Wilkes, Sprecherin der UN Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR), habe man die Marke von 200.000 syrischen Flüchtlingen bereits im Blick. Wie sie gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters in Genf erklärte, arbeite man mit der türkischen Regierung derzeit an den hierfür notwendigen Plänen. Aktuell sind laut UNHCR 74,112 syrische Flüchtlinge in der Türkei registriert. Zu den augenblicklich neun existierenden Flüchtlingslagern sollen weitere fünf hinzukommen (der türkische Außenminister fordert derweil internationale Hilfe – mehr hier).

Bereits Ende der vergangenen Woche wurde bekannt, dass seit Ausbruch der Unruhen vor gut 17 Monaten insgesamt 214.120 Menschen ihre syrische Heimat verlassen haben. Eigentlich gingen die Prognosen der Vereinten Nationen von einer Größenordnung bis 185.000 bis zum Ende des Jahres 2012 aus. Doch schon jetzt wurden sämtliche Befürchtungen übertroffen (kurzzeitig mussten die Hilfesuchenden sogar an der türkisch-syrischen Grenze aufgehalten werden – mehr hier). Über 200.000 Menschen suchen derzeit Schutz in den Nachbarländern Türkei, im Libanon, dem Irak und in Jordanien.

Auch Jordanien steht vor weiteren Flüchtlingsströmen

Vor allem die Türkei erlebt derzeit immer wieder wahre Flüchtlingsschwemmen. Als Obergrenze der türkischen Belastbarkeit wurde in Ankara kürzlich die Marke von 100.000 Hilfesuchenden ausgerufen. Und auch Jordanien erlebt einen regelrechten Massenansturm. Dort sind aktuell 61.000 Syrer als Flüchtlinge registriert. Doch wie UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming prognostiziert, ist auch hier das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht: „Wir glauben, dass dies der Beginn eines bedeutenden, noch viel größeren Zustroms nach Jordanien sein könnte“, zitiert sie der österreichische Kurier.

Unterdessen werben in Deutschland nicht nur zahlreiche Politiker, sondern auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick für die Aufnahme syrischer Flüchtlinge, ganz gleich, welcher Religion sie auch angehören. Zudem bat er um Spenden für die Notleidenden vor Ort. „Angesichts der sich ständig verschärfenden Lage und neuer Massaker in Syrien ist es ein Gebot der Nächstenliebe, den Not leidenden Menschen dort eine Zuflucht zu bieten“, so der katholische Geistliche und Vorsitzender der Kommission Weltkirche gegenüber dem Domradio.

Nach UN-Schätzungen kamen bislang bis zu 20.000 Menschen im Zuge des Bürgerkriegs in Syrien ums Leben.

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