Genozid in französischen Schulbüchern: EU-Minister Bağış erinnert an “liberté, égalité, et fraternité”

Der türkische EU-Minister kritisiert Frankreich heftig für das Aufnehmen des Völkermordes an den Armeniern in seinen Unterrichtsplan. Das würde seiner Ansicht nach nicht einmal dem französichen Nationalmotto entsprechen.

Bağış forderte die Franzosen dazu auf, sich auf  ihre bekannten Nationalwerte “liberté, égalité, et fraternité” (Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit) zu besinnen. „Ich hoffe, sie werden bald einsehen, dass sie einen Fehler gemacht haben und ihn korrigieren“, so der Politiker während seiner Rede bei einem Treffen, dass von der Türkischen Kooperation und Koordinations Agentur (TİKA) organisiert wurde.

Die Türkei wisse nicht, was ein Genozid sei. Sie kenne lediglich das Motto von Atatürk, dem Gründer der Republik: „Frieden zuhause, Frieden auf der Welt“. Die Türkei versuche Frieden und Liebe auf der ganzen Welt zu verteilen. „Es gab keine Kolonien, wo wir zuerst waren“, so Bağış in Anspielung auf die Kolonialvergangenheit Frankreichs. Wo die Türkei war, habe es nur Wohlstand und Toleranz gegeben.

Bağış empfiehlt weiter, dass die Organisation für Sicherheit und Kooperation in Europa (OSCE), die Spannungen zwischen Aserbaidschan und Armenien löse. Dann könnten sie sich auf die Themen konzentrieren, die zukünftige Generationen beträfen.

Zudem hoffe er, „die Türkei könne ein Mittel für die Europäische Union sein, sich aus seinem mentalen Abgrund zu befreien.“

Türkisches Bildungsministerium reagiert besonnen

Wie Anfang der Woche bekannt wurde, widmen französische Geschichts- und Geografiebücher dem Thema künftig ein eigenes Kapitel. Die Entscheidung hat seither nicht nur in der Türkei, sondern auch in Frankreich selbst für kritische Stimmen gesorgt. Beamte des türkischen Bildungsministerium reagierten unterdessen besonnen. Sie gaben an, sie müssten sich das Buch erst einmal genau ansehen. Es sei zu prüfen, ob es diskriminierende Aussagen gebe. Die Türkei werde auf der Linie von internationalen Gesetzen und ausschließlich auf diplomatischen Wegen antworten (Nabi Avcı, Vorsitzender der nationalen Kommission für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, hofft, dass auch französische Intellektuelle nun ihre Stimme erheben – mehr hier).

Eine scharfe verbale Einmischung von Seiten Bağış gab es erst kürzlich im Rahmen der in Deutschland stattfindenden Beschneidungsdebatte. Er bezeichnete das Urteil des Kölner Landgerichts als „nicht akzeptabel“. Auf einem Treffen Ende Juni mit dem Titel „Die Kommunikation mit der Türkei: das Image der Türkei und die EU-Mitgliedschaft” im Ministerium für Wirtschaft und Technologie in Berlin rügte Egemen Bağış gegenüber der Presse den Richterspruch (Az. 151 Ns 169/11) als völlig ignorant. Dass eine Beschneidung ein Verbrechen gegen die Gesundheit sei, so die Botschaft des Ministers, zeuge von absoluter Unwissenheit (den Deutschen bot er darauf hin Hilfestellung an – mehr hier).

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