Genozid im Schulbuch: Präsident Hollande will nichts gewusst haben

Die Türkei fühlt sich von Frankreich provoziert. Erste Forderungen wurden bereits laut, das Kapitel über den Genozid an den Armeniern während des Ersten Weltkrieges wieder aus den Geschichtsbüchern zu entfernen. Der französische Präsident versucht nun zu beschwichtigen und behauptet, im Vorfeld nichts davon gewusst zu haben. Er wolle der Sache jetzt auf den Grund gehen.

Einem Bericht der türkischen Tageszeitung Hürriyet zufolge, habe der französische Präsident nichts von der Entscheidung, den Genozid an den Armeniern in die Geschichtsbücher aufzunehmen, gewusst. Als die Nachricht zu Beginn der Woche die Türkei erreichte, sah sie darin eine heftige Provokation (mehr hier).

Er habe keine Anweisungen für die Rahmenplanänderung gegeben, erklärte François Hollande auf der 20. jährlichen Konferenz der Botschafter in Paris. „Ich wusste nichts über diese Bestrebungen. Alles fand komplett ohne mein Wissen statt“, stellt er klar. „Veränderungen in den Büchern werden von einer Kommission vorbereitet. Derartige Entscheidungen treffe nicht ich.“ Er versprach den Ursprung der Idee in Erfahrung zu bringen und die Presse dann zu informieren, so die Hürriyet weiter.

Aufnahme des Genozids keine Überraschung

Derartige Bemühungen des französischen Bildungsministeriums hatten seit Jahren stattgefunden. Diplomatische Beziehungen in dem Zusammenhang waren jedoch nie in die Überlegungen miteinbezogen worden, entgegnet der französische Botschafter der Türkei, Laurent Bili (der türkische EU-Minister kritisiert Frankreich dafür stark – mehr hier). Er fügt hinzu, dass die Aufnahme des Genozids also keine Überraschung darstelle.

Die Beziehung der beiden Länder hatte sich gerade erst wieder verbessert, nachdem die Bestrebungen des französischen Parlamentes, das Leugnen des Genozids unter Starfe zu stellen, gescheitert waren (mehr hier). Der aktuelle Vorfall könnte erneut für Spannungen sorgen.

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