Folgen des Krieges: Reiche Syrer retten ihr Kapital nach Istanbul

Syrische Unternehmen haben 2012 218 Prozent mehr Kapital in der türkischen Metropole Istanbul investiert als noch im Jahr zuvor. Das geht aus aktuellen Daten der Istanbuler Handelskammer (İTO) hervor.

Knapp 80.000 syrische Flüchtlinge finden derzeit in der Türkei Schutz vor den immer heftiger werdenden Unruhen in ihrer Heimat. Einigen wohlhabenderen Bürgerinnen und Bürgern aus dem Krisengebiet geht es allerdings nicht nur um Leib und Leben, sondern auch um ihr Vermögen. Nicht wenige, so berichtet die Nachrichtenagentur Anatolia unter Berufung auf Zahlen der İTO, würden in Anbetracht der brisanten Lage nach Investitionsmöglichkeiten in Istanbul Ausschau halten (derzeit äußert die Europäische Investitionsbank die Sorge, ob die türkische Wirtschaft von der Krise im Nachbarland in Mitleidenschaft gezogen werden könnte – mehr hier).

So habe sich die Zahl der mit syrischen Geldern gegründeten Unternehmen in Istanbul von 28 auf 89 in den ersten sieben Monaten des Jahres 2012 erhöht. Das entspräche einer Steigerung von 218 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ganz oben auf der Liste der syrischen Neugründungen am Bosporus stünden Beratungsunternehmen. Ihnen folgen die Sektoren Tourismus und Unterkunft, Kunststoffe, Transport sowie Textilien und Lebensmittel-Unternehmen. Das Gesamtkapital aller 89 registrierten syrischen Unternehmen beträgt laut İTO 6,2 Millionen türkische Lira. Zum Vergleich: Das Kapital der im Jahr 2011 28 registrierten Unternehmen belief sich auf 1,8 Millionen.

Syrische Flüchtlinge mit Pass können sich frei bewegen

Wie die türkische Zeitung Hürriyet informiert, könnten syrische Flüchtlinge mit Pässen in der Türkei Häuser mieten oder mit ihren Verwandten im Land bleiben, anstelle in den eingerichteten Flüchtlingslagern zu bleiben, wo all jene untergebracht seien, die keine Pässe besäßen. Wie der syrische Geschäftsmann Gazi Mısırlı gegenüber Anatolia erklärt, sei das auch die Vorgehensweise, die seine Landsleute mit Geld bevorzugen würden. „Normalerweise gehen diejenigen in die Flüchtlingslager, die eine schlechte finanzielle Lage und keine Pässe haben.“ Passinhaber hingegen, so schreibt das Blatt weiter, könnten sich überall in der Türkei aufhalten. So befänden sie sich etwa in Istanbul, Bursa, Mersin, Hatay, Gaziantep, İskenderun und Mersin. Mit ihrer Aufenthaltserlaubnis über vier Monate oder aber als Touristen gingen sie in alle im Süden befindlichen Provinzen. Laut Mısırlı gäbe es in Istanbul vor allem viele syrische Geschäftsleute aus Aleppo und Damaskus, wo sich für sie und ihre Familien ein sicherer Wohnort biete.

„Für Ausländer ist es in der Türkei einfach ein Unternehmen zu gründen. Das Ganze dauert genau einen Tag und am nächsten hat man bereits seine Handelsregisternummer“, so Mısırlı weiter. Besonders beliebte Wohngegenden seien Bağcılar, Güngören, Kocamustafapaşa, Aksaray und Fatih (andersherum halten türkische Investoren in Griechenland Ausschau – mehr hier).

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