Gerechtigkeit durch Dialog: Kirche bittet Christen in Syrien zu bleiben

Inmitten anhaltender Gewalt haben syrische Geistliche die Christen im Nahen Osten, vor allem in Syrien, dazu aufgerufen, ihre Heimat nicht zu verlassen. Ihrer Ansicht nach könne Gerechtigkeit nur durch einen sinnvollen Dialog zwischen allen kriegführenden Parteien erreicht werden.

Ausgegangen war die Aufforderung an die Christen der Region von der Heiligen Synode der syrisch-orthodoxen Kirche in Damaskus. Diese hatte sich auf Grund der immer schärfer werdenden Spannungen in der Region sowie im Vorfeld des Besuches von Papst Benedikt XVI. im Libanon zusammengefunden (die Visite des Pontifex im Libanon soll vom 14. bis zum 16. September dieses Jahres stattfinden – mehr hier). Nach dem Treffen am 24. August, bei dem auch der Zustand der christlichen Gemeinden in der Region diskutiert wurde, so berichtet die Journalistin Vercihan Ziflioğlu, habe man sich mit dieser Bitte an die Öffentlichkeit gewandt.

„Wir lehnen jegliche Art von Einwanderung als Reaktion auf die aktuelle Krise im Nahen Osten ab und verurteilen alle Verbreiter, Anstifter und Provokateure scharf, die die Christen im Nahen Osten zur Migration auffordern“, heißt es in der zweiten von insgesamt sieben Klauseln der Erklärung, die mit der Unterschrift des syrisch-orthodoxen Bischofs von Aleppo, Mor Gregorios Yuhanna Ibrahim, versehen ist und im kommenden September Papst Benedikt XVI. vorgelegt wird.

Unterstützt wurde die Aufforderung zu bleiben auch von den griechisch-orthodoxen und armenisch-apostolischen Kirchen in der Türkei. So habe es laut dem Metropoliten des Orthodoxen Patriarchats Fener, Elpidophoros Lambriniadis, hier eine ähnliche Erklärung gegeben. Allerdings werde darin nicht explizit vom Nahen Osten gesprochen. Wie Lambriniadis herausstellte, unterstütze man die Deklaration aus Damaskus. Auch er sei der Ansicht, dass es immens wichtig wäre, dass die Christen in der Region bleiben würden.

„An voran sollte nicht vergessen werden, dass der Nahe Osten der Ort ist, an dem das Christentum geboren wurde. Er hat eine große spirituelle Bedeutung“, so Lambriniadis weiter. Seinen Worten schloss sich auch der oberste Vertreter der Armenier in der Türkei, Erzbischof Aram Ateşyan, an. Er betonte: „Wenn uns die Erklärung vorgelegt wird, dann werden wir sie ebenfalls ohne zu zögern unterstützen.“

Papst trifft auf Oberhäupter der muslimischen religiösen Gemeinschaften

Papst Benedikt XVI. wird in gut zwei Wochen aus Anlass der Unterzeichnung und Veröffentlichung des Nachsynodalen Apostolischen Schreibens der Sonderversammlung der Bischofssynode für den Nahen Osten in den Libanon reisen. Für den Vormittag des 15. Septembers steht eine Begegnung mit den Oberhäuptern der muslimischen religiösen Gemeinschaften im Botschaftersaal des Präsidentschaftspalasts von Baabda sowie darauf folgend eine Begegnung mit den Mitgliedern der Regierung, der staatlichen Institutionen, mit dem Diplomatischen Korps, den Religionsführern und den Vertretern der Welt der Kultur im Saal „25. Mai“ des Präsidentschaftspalasts von Baabda an. Anschließend gibt es ein Mittagessen mit den Patriarchen und den Bischöfen des Libanon, mit den Mitgliedern des Sonderrats für den Nahen Osten und mit dem Päpstlichen Gefolge im Refektorium des katholischen armenischen Patriarchats von Bzommar. Für Sonntagabend ist zudem eine ökumenische Begegnung im Ehrensaal des syrisch-katholischen Patriarchats von Charfet angesetzt.

„Konstruktiver und sinnvoller Dialog zwischen allen kriegführenden Elementen“

Nach der Überzeugung der Unterzeichner der Erklärung bestehe die einzig wirklich Chance das Land wieder aufzubauen darin, gegenseitige „Liebe, Kooperation und Akzeptanz“ walten zu lassen. Doch erreicht werden könne das eben nur durch einen „konstruktiven und sinnvollen Dialog zwischen allen kriegführenden Elemente unseres Landes“.

Christen stellen im Augenblick zehn Prozent der Bevölkerung in Syrien. Doch wegen der sich immer weiter verschärfenden Spannungen verlassen auch sie in Scharen das Land (erst kürzlich hat auch eine Gruppe von Intellektuellen zur Einheit aufgerufen – mehr hier). Nicht wenige haben die Sorge, dass bei einer Machtübernahme durch die Muslimbruderschaft alle Christen das Land verlassen müssen. In der fünften Klausel der Erklärung heißt es deshalb: „Wir rufen alle Menschen mit Gewissen dazu auf, alle Arten von Gewalt gegen ihre Mitmenschen zu unterlassen. Wir rufen zu sinnvollen Reformen  sowie dazu auf, Recht und Ordnung, Gerechtigkeit und Frieden wieder herzustellen.“ Auch ein Appell an die weltweiten Hilfsorganisationen wurde nicht vergessen, die alles unternehmen sollten, um den unschuldigen Syrern, die in den Teufelskreis der Gewalt hineingezogen und vertrieben wurden, beizustehen (auch die Türkei drängt auf die Hilfe der Internationalen Gemeinschaft – mehr hier).

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