Wegbereiter des türkischen Internetjournalismus: Yurtsan Atakan ist tot

Der türkische Journalist Yurtsan Atakan, der für die Einführung und Verbreitung des Technologie-Journalismus in seiner Heimat mitverantwortlich zeichnet, ist am vergangenen Mittwoch im Alter von nur 49 Jahren gestorben.

Wie seine Witwe Lale Atakan gegenüber der türkischen Hürriyet, für die er viele Jahre gearbeitet hat, mitteilte, sei ihr Mann in Frieden und ohne Schmerzen verschieden. „Er war ein guter Mensch, ein Engel. Er liebte den Journalismus. Er wollte nie etwas anderes tun.“

Yurtsan Atakan hatte bereits seit längerem mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Zuletzt unterzog er sich in den USA einer Krebsbehandlung. Erst im vergangenen Monat, so schreibt das Blatt weiter, habe er sich gezwungen gesehen, seine Kolumne in der Akşam, wo er in seiner mehr als zwei Jahrzehnte dauernden Karriere zuletzt beschäftigt war, aufzugeben.

Atakans journalistische Karriere begann bei der Tageszeitung Cumhuriyet, darauf folgten Stationen bei Güneş, Bersay sowie den türkischen Tageszeitungen Yeni Yüzyıl, Star, Hürriyet und Akşam.

Technologie- und Internetthemen seit den frühen 90ern

Bereits in den frühen 90er Jahren, genauer gesagt 1994, begann Yurtsan Atakan über Technologie- und Internetthemen zu schreiben. Also zu einer Zeit, in der beide Bereiche für die türkische Leserschaft gänzlich neu, wenn teilweise nicht sogar undenkbar waren. Dank seiner Konzentration auf diese Themen wurde er schließlich auch Chefredakteur des monatlich erscheinenden PC Welt-Magazins. Ein Blatt, das sich an Technologie-Enthusiasten und Profis gleichermaßen richtete, als zuverlässige und nützliche Informationen über Technologie nur knapp und zudem äußerst schwer zu finden waren. Bereits ein Jahr später, 1995, begann Atakan eine Technik-Kolumne in der Hürriyet, einen Posten, der er von da an über viele Jahre ausfüllte.

Für seine Leistungen wurde Yurtsan Atakan in der Vergangenheit mehrmals von der türkischen Informatik Stiftung ausgezeichnet. Darunter auch Preise für die beste Kolumne, die beste Internetseite, bester Photograph sowie eine besondere Auszeichnung für seine Beiträge zur Informationstechnologie (vermehrt sind die Journalisten in den letzten Jahren auf Twitter ausgewichen – mehr hier).

Atakan verstand sich auch als Kritiker der Internetzensur und der sich aktuell immer weiter ausbreitenden Kontrolle der türkischen Regierung im Netz. In regelmäßigen Abständen verfasste er Beiträge zum Thema Internetfreiheit und ermutigte seine Leser, diese Gedanken weiterzutragen (erst kürzliche ermahnte die EU die Türkei, dass die Meinungsfreiheit gesichert werden müsse – mehr hier).

Atakans Trauerfeier wird am kommenden Freitag in der Levent Moschee in Istanbul stattfinden.

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