Türkische Familie in Betzdorf überfallen: Polizei hat Ermittlungen aufgenommen

Der Überfall auf eine türkische Familie in Rheinland-Pfalz am vergangenen Freitagabend wirft viele, bisher ungeklärte Fragen auf. Die türkische Community beschäftigt besonders, ob hinter dem Übergriff ein rechtsradikaler Hintergrund steht, wie der Bruder des Geschädigten vermutet. Die Ermittlungen wurden in die Wege geleitet.

Vergangenen Freitagabend zwischen 21 und 22 Uhr kam es zu einem bisher ungeklärten Vorfall in Betzdorf, Rheinland Pfalz. Eine türkische Familie war von zwei mit Eisenstangen und Pistolen bewaffneten Personen überfallen worden. Ein YouTube-Video sowie mehrere Berichte in den türkischen sowie in einem deutschen Medium machen derzeit die Runde (in Frankreich gab es 2011 ein Drittel mehr Straftaten gegen Muslime – mehr hier).

Die Täter sollen mit den Worten: „Wir sind die Polizei“ in die Wohnung eingedrungen sein und hätten Vater und Mutter sowie die fünf Kinder bedroht. Als die Polizei tatsächlich zehn Minuten nach dem Notruf eintraf, habe man die zwei Täter, nach Angaben der Staatsanwaltschaft Koblenz, nicht mehr vorgefunden. Eine eingeleitete Fahndung blieb bisher ohne Erfolg. Daraufhin führten die Beamten, welche die Situation als einen Streit innerhalb einer türkischen Familie einschätzten, den Familienvater mit Handschellen ab (nach dem Tod eines jungen Türken in Dänemark kam auch ein Rassismus-Verdacht auf – mehr hier).

Bruder des Überfallenen erstattet Strafanzeige

Der Bruder des Überfallenen, so berichtet aktuell die Rhein Zeitung, sehe hierin einen Vorfall von „institutionalisierten Rassismus“. Außerdem sei sein Bruder nach den Geschehnissen und ohne rechtlichen Beistand nicht aussagefähig gewesen. Er erstattete am 26. August Strafanzeige gegen die Polizei in Betzdorf. Der Frankfurter Mediziner zeigte sich verärgert, weil „die bei dem Einsatz tätigen Polizeibeamten es unterlassen hätten , eine notwendige notärztliche Versorgung der Kinder der Bedrohten zu veranlassen. Außerdem sei sein Bruder gezwungen worden, ohne rechtlichen Beistand bei der Polizei auszusagen“, berichtet die Staatsanwaltschaft Koblenz in einer öffentlichen Erklärung zur Sache (hier einzusehen).

Hinter dem Überfall wittert der Arzt aus Frankfurt einen rechtsradikalen Hintergrund. Er stützt seine These mit dem Argument: „Ein sauberes Deutsch wurde gesprochen.“ Das würde jedoch viele unter Generalverdacht stellen. Ein weiterer Indikator stelle für ihn das „gezielte“ Vordringen der Täter dar.

Die Kinder und die Frau seien unversehrt. Jedoch stellte der Notarzt, der nach Angaben der Rhein Zeitung erst um 22.50 Uhr, also Stunden nach dem Vorfall eintraf, einen „Schock nach Trauma“ fest. Eine „psychologische Weiterbetreuung“ sei zu empfehlen. Montag und Dienstag seien die Kinder im Alter von zwei bis neun Jahren zuhause geblieben. Sie hätten weder die Schule noch den Kindergarten besucht. Die Lehrer und Erzieherinnen seien informiert und würden den Kindern erhöhte Aufmerksamkeit zukommen lassen.

Auf You-Tube kursiert unterdessen ein Video, das den Überfall zeigt. Zu sehen ist allerdings nicht viel. Es bleibt weiterhin ungeklärt, was sich genau an diesem Abend abgespielt hat.

Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittle nun auf Grundlage der Äußerung, die Polizei habe die notwendige ärztliche Betreuung nicht veranlasst und wegen der von den Geschädigten angegebenen Bedrohung als auch im Zusammenhang mit dem Polizeieinsatz selbst. Eine neutrale Polizeidienststelle sei mit den Ermittlungen bezüglich der Anschuldigung, die Polizeibeamten in Betzdorf „hätten aus fremdenfeindlichen Motiven unsachgemäß gehandelt“ betraut worden.

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