ZMD zum Angriff auf Rabbiner: „Solche Taten erzeugen bei Muslimen tiefste Abscheu“

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat sich über den Überfall auf einen Rabbiner und dessen Tochter in Berlin schockiert und zutiefst betroffen geäußert. Auch die jungen Muslime in Deutschland sind zornig auf die Täter. Sie fühlen sich um ihre Integrationsarbeit betrogen.

Wie der Zentralrat der Muslime in Deutschland an diesem Donnerstag mitteilt, habe man gegenüber den Betroffenen bereits sein tiefstes Bedauern und rasche Genesungswünsche zum Ausdruck gebracht. Ebenfalls gelte die Solidarität und das Mitgefühl der jüdischen Gemeinde und allen Juden in Deutschland (derzeit beschäftigt die Öffentlichkeit auch ein Überfall auf eine türkische Familie in Rheinland-Pfalz – mehr hier).

„Solche Taten erzeugen bei Muslimen tiefste Abscheu“, erklärt hierzu der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek in Köln. „Wir hoffen, dass der Täter schnell gefasst und zur Rechenschaft gezogen wird. Gerade in diesen Stunden müssen Juden und Muslime zusammenstehen und deutlich machen: Gewalt jeglicher Couleur hat bei uns keinen Platz.“

Juden und Muslime müssen Dialog erst Recht intensivieren

Für Mazyek ist die Tat von Berlin zugleich eine Aufforderung an die Gläubigen im Land. Er zeigt sich überzeugt, „dass Juden und Muslime ihre Dialogbemühungen jetzt erst Recht intensivieren müssen, um Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft den Kampf anzusagen.“ (erst vor wenigen Tagen erinnerte sich Deutschland an die Ereignisse von Rostock-Lichtenhagen – mehr hier)

Medienberichten zufolge war am vergangenen Dienstagabend ein 53-jähriger Rabbiner im Beisein seiner sechsjährigen Tochter von vier Jugendlichen antisemitisch beleidigt und brutal angegriffen worden. Nachdem einer der Täter gefragt hatte „Bist du Jude?“ sollen sie zugeschlagen und vor ihrer Flucht auch noch damit gedroht haben, das kleine Mädchen umzubringen. Der Vorfall ereignete sich gegen halb sieben am Abend im „Malerviertel“ von Friedenau. Der Rabbiner, der eine traditionelle jüdische Kopfbedeckung, die Kippa trug, soll nach der Tat in ein Krankenhaus eingeliefert und dort mittlerweile wegen eines Jochbeinbruchs operiert worden sein. Weiter heißt es: „Der Staatsschutz ermittelt – er geht von jungen Männern arabischer Herkunft aus.“

Junge Muslime zornig auf die Täter von Berlin

Unterdessen hat sich nicht nur der Zentralrat der Muslime in Deutschland zu Wort gemeldet. Auch die jungen Muslime in der Bundesrepublik zeigen sich empört über die Attacke auf den Geistlichen. So erklärt etwa die junge Studentin Betül Ulusoy, vom  Projekt „JUMA – jung, muslimisch, aktiv“, in einer Stellungnahme im Tagesspiegel: „Wir arbeiten hart an Aktionen und fühlen uns immer so, als hätten wir einen wichtigen Beitrag geleistet, gute Arbeit getan für Gott und unsere Mitmenschen. Und dann kommt irgendein daher gelaufener, widerwärtiger Typ und macht alles kaputt, was wir mit soviel Mühe aufzubauen versuchen. (…). Ich verabscheue die Tat gegenüber dem Rabbiner zutiefst.Ich lehne sie mit aller Vehemenz ab.“

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