Bildungsinitiative: Türkische Universitäten sind ab sofort kostenfrei

An türkischen Universitäten werden künftig keine Studiengebühren mehr erhoben. Das gab der Regierungssprecher und stellvertretende Premierminister Bülent Arınç im Rahmen einer Presserkonferenz zu einem Treffen des Ministerrats in der vergangenen Woche bekannt.

Bereits vor einiger Zeit hatte der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan angekündigt, dass die Regierung die Studiengebühren an türkischen Hochschulen bald abschaffen werde. In einem Anfang der Woche vom Ministerrat verabschiedeten Dekret wurde das nun umgesetzt. Ab sofort, so berichtet die türkische Zeitung Sabah, wäre der zuvor obligatorische Unkostenbeitrag, der von den Studentinnen und Studenten zu leisten, war, nicht mehr eingefordert. Die insgesamt 1,524,380 des Landes würden damit unmittelbar von der Aufhebung der Studiengebühren, die Deutschland erst vor einigen Jahren unter großem Protest eingeführt hat, profitieren.

Ausgenommen von dieser Neuregelung, so heißt es weiter, seien jedoch Schülerinnen und Schüler, die in der Türkei eine Volkshochschule besuchen würden. Abendschulen, deren Unterricht in der Regel nach 17 Uhr beginnt, seien in der Regel für Personen, die niedrigere Punktezahlen hätten und Kurse in einer Universitäts-Außenstelle nehmen würden und zusätzliche Gebühren bezahlen.

Türkei braucht dringend akademischen Nachwuchs

Der Anreiz, so unter Umständen weitere Studentinnen und Studenten an die türkischen Hochschulen zu ziehen, kommt nicht von Ungefähr. Bereits in den letzten Jahrzehnten hat die Türkei durch Abwanderungen eine Menge an wertvollem Humankapital einbüßen müssen. Wenn es jedoch nach Industrieminister Nihat Ergün geht, soll sich das nun auf lange Sicht ändern. Wie er bereits Mitte Juli dieses Jahres verlauten ließ, will vor allem türkische Wissenschaftler und qualifizierte Personen mit technischen Fähigkeiten zu einer Rückkehr in die alte Heimat bewegen (er stellte heraus, wie sehr sich die Türkei vor allem in den vergangenen zehn Jahren gewandelt habe – mehr hier).

Wie wichtig der wissenschaftliche Nachwuchs und die Rückkehr ausgebildeter Kräfte für die Türkei sei und welchen Wert das Land den Themen Forschung und Entwicklung mittlerweile beimisst, das bekräftigte auch TÜBİTAK-Präsident Yücel Altunbaşak. Das Land stelle nun das 60-fache seiner Ressourcen für Forschung und Entwicklung zur Verfügung. Darüber hinaus sei die Zahl der türkischen Wissenschaftler in den letzten zehn Jahren von 20.000 auf 64.000 angewachsen. Doch obgleich das eine sehr schöne Zahl sei, sei sie keineswegs ausreichend. Ganz im Gegenteil sei sie nicht das Ziel, das man sich erhofft habe. „Die Türkei braucht 250,000 Forscher“, macht Altunbaşak den anhaltenden Mangel deutlich (Für mehr türkische Forschung will die Türkei bis zu 20 Millionen Dollar an das Massachusetts Institute of Technology (MIT) spenden – mehr hier).

Türkische Kinder und Jugendliche müssen besser gefördert werden

Anfangen muss die Türkei jedoch an der Basis – in den türkischen Schulen (die aktuelle Bildungsreform gleicht jedoch mehr einer Hauruck-Aktion – mehr hier). Bereits im vergangenen Februar ließ ein Bericht der Weltbank die Alarmglocken läuten. Demnach bleibt der durchschnittliche 15-jährige türkische Jugendliche in den Fächern Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften hinter seinen Altersgenossen, die in den anderen OECD-Staaten leben, zurück. In einer entsprechenden Pressemitteilung, die den Bericht begleitete, hieß es, dass, obwohl sich die Bildung in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert hätte, es hierzulande nach wie vor Probleme in Bezug auf die „Gerechtigkeit und Qualität“ des Bildungssystems gebe. Zur Veranschaulichung: Nur 16 Prozent der 15-Jährigen besuchen Schulen mit „durchschnittlich Testergebnissen in den Bereichen Lesen, Mathematik oder Naturwissenschaften, die mit dem OECD-Durchschnitt vergleichbar sind“. Noch größer klafft die Lücke bei den Studenten. Zu unterschiedlich seien die Bildungsangebote und Abschlüsse (angemahnt wurde, möglichst früh Grundsteine zu legen – mehr hier).

Nach Informationen von college-contact.com existieren in der Türkei derzeit mehr als 65 staatliche und 23 private Universitäten sowie zwei technologische Institute mit Studiengängen auf Hochschulniveau. Alle Einrichtungen unterlägen der Führung des Hochschulrates Yüksekögretim Kurulu (YÖK). An den türkischen Hochschulen, so heißt es weiter, würden Studiengebühren verlangt, die sich an den Privathochschulen zwischen 5.000 und 10.000 Euro pro Jahr bewegen. Bezüglich der genauen Beträge sollte man sich allerdings direkt bei der jeweiligen Hochschule erkundigen. Für die staatlichen Universitäten, so informiert istanbulpost.de, müsse der Student eine Studiengebühr in Höhe von 300 bis 1000 US-Dollar im Jahr aufbringen. Doch es geht auch wesentlich teurer: „Eine junge, angesehene private Universität, ist die Sabanci-Universität. An dieser „Elite-Uni“ betragen die Studiengebühren sogar 13.000 US-Dollar im Jahr. Dafür wird den Studenten eine sehr gute Ausbildung geboten.“

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