Unabhängiger Staat Hatay: Gerüchte begünstigen Spannungen zwischen Sunniten und Alawiten

Der syrische Geheimdienst plane einen unabhängigen alawitischen Staat in der Provinz Hatay, berichten türkische Medien. Gerüchte, die einen Keil zwischen die in der Grenzregion friedlich zusammenlebenden Sunniten und Alawiten treiben könnten. Der türkischen Regierung zufolge sei eine mögliche Spaltung der dortigen Bevölkerung das wahre Problem.

Die Türkei hat schon genug damit zu kämpfen, die vielen syrischen Flüchtlinge unterzubringen, doch nun kommt eine eine neue Sorge hinzu. Gerüchten zufolge, die derzeit in den türkischen Medien kursieren, gebe es Bemühungen, die ehemals unabhängige türkische Provinz Hatay in einen alawitischen Staat zu integrieren. Die Türkei befürchte derzeit, der syrische Geheimdienst Mukharabat, sei in der Region aktiv, um die Basis für einen Staat zu schaffen, berichtet die englische Ausgabe der Hürriyet. Eine Quelle für diese Information wird allerdings nicht genannt.

Viele der mehrheitlich alawitischen Bevölkerung in Hatay besitzen Verwandte in Syrien und pflegen enge Beziehungen mit der dort lebenden Bevölkerung. Es bestehen Jahrzehnte alte, tief verwurzelte Verbindungen zwischen Alawiten und Sunniten in dem türkisch-syrischen Grenzgebiet. Eine potenzielle Gefahr sehen unabhängige Experten nicht. Zudem sei es nicht sehr wahrscheinlich, dass der syrische Präsident Baschar al-Assad oder der Geheimdienst derzeit die Kraft aufbringen könnten, solch einen Staat zu etablieren.

Die Stimmen, die einen alawitischen Staat herbeisehen, seien in der Minderheit. Derartige „Provokateure“, wie sie die Hürriyet bezeichnet, würden versuchen, sich auf die ehemalige Unabhängigkeit Hatays zu berufen. Vom 7. September 1938 bis zum 29. Juni 1939 bestand der unabhängige Staat Hatay, eine Übergangslösung zur Überführung der Provinz an die Türkei. Zuvor gehörte die Region zu französischem Mandatsgebiet.

Derweil ist die Lage der Flüchtlinge das größere Problem. Der türkische Staat sei sich der Situation bewusst und arbeite an einer Lösung (die Türkei fordert die Unterstützung der UN bei der Versorgung der anhaltenden Flüchtlingsströme – mehr hier). Die Spaltung der Bevölkerung sei der Regierung zufolge in der Region das weitaus größere Problem. Der Zusammenhalt müsse weiter gestärkt werden und die Flüchtlinge mehr Unterstützung erfahren. Durch konstante Desinformationen würden Spannungen zwischen Alawiten und Sunniten begünstigt. Auch die jetzigen Gerüchte über einen unabhängigen Staat scheinen ebenfalls darauf zurückzuführen zu sein.

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